Drei Tage


Nun stehen wir vor den großen, heiligen drei Tagen, dem Sacrum Triduum, in dem die ganze Lehre der Kirche auf engstem Raum komprimiert ist. Wer sonst meint, nichts verstanden zu haben, aber diese drei Tage innig mitbetet, mitlebt, hat wahrscheinlich alles verstanden. Ich schreibe bewußt: „mitlebt“, denn die Liturgie von Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag ist keine Gedenkveranstaltung, sondern stellt einen mitten in das Geschehen der Passion und Auferstehung hinein. So heißt es im Hochgebet I zu Gründonnerstag:

Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute -, nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände, erhob die Augen zum Himmel, zu dir, seinem Vater, dem allmächtigen Gott, sagte dir Lob und Dank, brach das Brot, reichte es seinen Jüngern und sprach: …

Diese Verbundenheit, diese Vergegenwärtigung der Ereignisse des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu führt zu einer besonderen Eigenschaft der Liturgie dieser Tage, auf die Eduard Habsburg in seinem Blog „Habichsburg“ hinweist: Sie bilden eine Einheit von Donnerstag Abend bis Sonntag morgen.

Der Gründonnerstag hat eine Eröffnung, aber keinen Schlusssegen; er endet mit dem leeren Tabernakel, dem Umzug des Allerheiligsten in einen Nebenaltar und im Schweigen; im selben Schweigen und ohne Messeröffnung beginnt der Karfreitag und endet ohne Schlusssegen, in der Leere der Todeserfahrung; auch die Osternacht beginnt „offen“, am Osterfeuer, erst am Ende der Osternacht erfolgt wieder ein Segen, und die Liturgie ist abgeschlossen.

Er weist auf noch mehr hin – das aber bitte auf seinem lesenswerten Blog selbst anzusehen.

Auf die drei Tage kommt man übrigens, in dem man die alte jüdische Zählung der Tage berücksichtigt – ein Punkt, der mir lange nicht klar war. Der Kalendertag beginnt dann nämlich immer mit dem Vorabend. Daher zählt der Donnerstag abend eigentlich schon zum Freitag, der Freitag abend zum Samstag, und der Samstag abend zum Sonntag. So fallen die Ereignisse vom Letzten Abendmahl bis zur Entdeckung des leeren Grabes tatsächlich in nur drei Tage.

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