Ostermontag: „Begreift ihr den nicht?“


Wo der Ostermontag als Festtag begangen werden kann, dort wird an diesem Tag das Evangelium von den Emmaus-Jüngern gelesen, verbunden mit einem Abschnitt aus der Pfingstpredigt des Petrus. Die beiden Texte hängen eng zusammen. In einem offenbart sich der Auferstandene zwei verzweifelten Jüngern. Sie haben zwar schon vom leeren Grab gehört, aber sie können die gute Nachricht nicht glauben. Nicht nachdem, was in den letzten Tagen in Jerusalem geschehen ist. Jesus überzeugt die beiden nicht, in dem er sich einfach zu erkennen gibt, sondern auf subtilere, aber tiefgehendere Weise:

Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.

Damit gibt er ihnen auch selbst das Rüstzeug in die Hand, um anderen vom Wunder der Auferstehung zu erzählen, von der fröhlichen Urständ, die nun den Menschen verheißen ist. Würden sie einfach berichten, Jesus hätte sich ihnen gezeigt, so können das andere glauben oder eher Wunschträumen zuordnen. Doch Jesus legt ihnen eine ganze Beweiskette vor, warum das Leiden geschehen, die Auferstehung folgen mußte. Erst dann gibt er sich in eucharistischer Weise beim Brechen des Brotes zu erkennen, um sich hernach ihren Blicken zu entziehen, wo sie jetzt doch auch keiner Beweise mehr bedürfen. Noch ein schöner Gedanke steckt darin, den P. Mayer OSA in einer Predigt so formuliert hat:

Zweifelsohne unterstreicht der Evangelist mit dieser seiner Emmauserzählung, was er den Christen aller Zeiten sagen will: Die an Christi Erlösungswerk Glaubenden bedürfen keiner besonderen Erscheinung ihres Herrn mehr. Die Erfahrung einer Begegnung mit ihm bietet ihnen vorzüglich die Feier der Eucharistie. Das soll genügen!

Petrus wiederum legt in seiner Predigt den Zuhörern — unter denen sich im übrigen zum Teil dieselben befinden, die am Karfreitag noch gerufen haben: „Kreuzigt ihn!“ — ausgehend von der Heiligen Schrift dar, warum Jesus auferweckt wurde. Das klingt sehr gewagt, war doch dieser auferweckte Jesus nicht physisch anwesend. Doch die Menschen in Jerusalem hatten sich wohl schon zugeraunt, daß da irgendetwas mit diesem Jesus geschehen sei, solche Gerüchte verbreiten sich schnell, und das Pfingstwunder verbrieft die Worte des Petrus als zumindest beachtenswert. Und so erklärt er, warum das, was zuerst wie ein schmachvolles Scheitern aussah, zum Zeichen des Erlösers werden konnte, setzt die Heilsereignisse in einen Kontext, den die Zuhörer verstehen konnten.

Wie die Worte Jesu die Emmaus-Jünger treffen („Brannte uns nicht das Herz …“), so treffen auch Petri Worte, die er erfüllt vom Heiligen Geist spricht, die Menschen in Jerusalem ins Herz, wie die Apostelgeschichte berichtet (Apg 2,37). Wie die Jünger rasch nach Jerusalem umkehrten, so wenden sich nun viele Menschen unverzüglich der Gemeinschaft der Apostel zu, weil sie die Auferstehung Jesu erkannt haben.

Später wirken die Apostel im Namen des Herrn auch Wunder, doch sie bestätigen nur, sie sollen nicht Anlaß des Glaubens sein.

Um Jesus zu erkennen, braucht es eben kein Wunder, sondern ein offenes Ohr und ein offenes Herz.

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