Margaret Thatcher


Mit Lady Margaret Thatcher ist eine der wirklich großen Politiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von uns gegangen. Nach der Dauerkrise der 1970er-Jahre konnte sie das Vereinigte Königreich wieder zu Wohlstand führen, den Menschen mehr Freiheit ermöglichen, und das Land zu einen verlässlichen Verbündeten der Demokratie gegen die Sowjetunion machen.

Dabei hat sie sich nicht von Umfragen beherrschen lassen – was letztlich nach elf Jahren und drei gewonnenen Wahlen auch zum Ende ihre Regierungszeit geführt hat. Damit war sie immerhin der längstdienende Premierminister seit Lord Salisbury. Thatcher hat dabei ihr Programm vor den Wahlen konkret vorgestellt, und dieses Programm nach erfolgreicher Bestätigung auch konsequent durchgezogen. Keine Roßtäuscherei.

Diese Konsequenz hat aus der Tochter eines Greißlers eine Chemikerin gemacht, zu einer Zeit, als von MINT-Programmen noch keine Rede war, noch dazu mit Diplom in Oxford, die dann noch einen Abschluß in Steuerrecht machte, und als Mutter zweier sechsjähriger Kinder 1959 als Abgeordnete für Finchley ins britische Unterhaus gewählt wurde. Diese Konsequenz machte sie zur Oppositionsführerin nach der Niederlage der Konservativen 1974, und zu dieser Zeit erhielt sie auch den Spitznamen „Eiserne Lady“ – von einer sowjetischen Zeitung als Reaktion auf eine sowjetkritische Rede Thatchers. Als Beleidigung war es als gemeint, doch als Zeichen der Bewunderung blieb es haften.

Ihr Durchbruch an die Regierungsspitze wurde ihr von der Labour-Regierung mitermöglicht. So war nach dem „winter of discontent“ 1978/79 der Unmut über die Macht der britischen Gewerkschaften im öffentlichen Bereich und im (komplett verstaatlichten) Kohlebergbau groß geworden. Damals wurde in zahllosen Streiks beispielsweise der Müll wochenlang nicht entsorgt, Leichen nicht beerdigt, und so weiter. Streikposten sorgten dafür, daß „Streikbrecher“ kein zweites Mal gewagt hätten, zu arbeiten.

Das Verständnis der übrigen Bevölkerung dafür war aber mitten in der anhaltenden Krise der Siebziger Jahre mäßig. Thatcher versprach, dieser Praxis ein Ende zu bereiten – unter anderem mit der simplen Vorschrift, daß Gewerkschaften ihre Mitglieder über Streiks abstimmen lassen müssen. Die endgültige Wende im Ringen mit den Gewerkschaften im staatsnahen Bereich kam mit dem großen Streik der Kohlearbeiter 1984/85, bei dem sogar ein Taxichauffeur, David Wilkie, der einen Streikbrecher zur Arbeit brachte, von Streikenden getötet wurde. Die Regierung ging vor den Forderungen der Arbeiter in den staatlichen Kohlengruben nicht in die Knie, und befreite damit das Land von der drückenden Last, die die Kohlesubventionen für die übrige Bevölkerung bedeuteten.

Bis dahin waren weite Teile der britischen Wirtschaft verstaatlicht, wenig effizient, Wohlstandsräuber und Pfründe für Regierungspolitiker. Thatcher privatisierte von der Luftfahrt über Gasunternehmen bis zu Stahlwerken und Kohlegruben zahlreiche Unternehmen, die sich in der Folge erfolgreich am Markt behaupteten. Der Erfolg ihrer Öffnung und Liberalisierung war so stark, daß Stephanie Flanders für BBC resümieren kann:

I doubt you would find many critics of modern capitalism who would want to turn the clock back to 1979.

Certainly, none of the Labour politicians who have been making their condolences this afternoon would consider it for a single second.

Ich könnte noch viel über sie schreiben, von der Falklandkrise bis zu ihrer Rolle in der Beendigung des Kalten Kriegs, von ihrer für die europäischen Partner nicht immer leichten Europapolitik bis zu ihrem Kampf gegen Antisemitismus. Dagegen verweise ich auf eine Übersichtsseite des Daily Telegraph, die zahlreiche Reaktionen auf den Tod Thatchers unter der etwas bizarren Link Margaret-Thatcher-dies-live.html zeigt. Und auf die Margaret Thatcher Foundation, die zahlreiche Dokumente aus ihrem Leben im Internet verfügbar macht.

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