Syrien: Fatwa für Vergewaltigung


Das Schlachten in Syrien ist wieder etwas aus dem Nachrichtenfokus gerückt, dank Zypernkrise, Nordkorea und nun der Bankgeheimnisdebatte. Doch es geht unvermindert weiter, und mit bitterer Grausamkeit. So berichtet die Nachrichtenagentur Fides, daß in Aleppo Heckenschützen der Rebellen seit der Eroberung eines strategischen Stadtteils auf alles schießen, was sich bewegt.

Die nicht-sunnitischen Minderheiten sind besonders im Visier der Truppen, die in westlichen Medien immer noch gern als Freiheitskämpfer gesehen werden. So hat der salafistische Geistliche Scheich Jasir al-Aldschawni eine Fatwa veröffentlicht, wonach es für alle Moslems, die gegen Assad kämpfen, legitim sei, nicht-sunnitische und nicht-muslimische Frauen zu vergewaltigen. Gemeint sind wohl vor allem Alawitinnen, Shiitinnen und Christinnen.

Christen sind überhaupt bevorzugte Opfer der Rebellen. Priester werden entführt, Menschen bei Straßenblockaden wegen ihres Glaubens aus dem Auto gezerrt und erschossen. Selbst auf der Flucht ins Ausland werden sie getötet.

Andrew McCarthy erneuert im konservativen „National Review“ daher seine Position, warum ein (noch stärkeres) Eingreifen zugunsten der Rebellen ein Fehler wäre.

Besonders widerspricht er jenen, die glauben, nur das zögerliche Eingreifen des Westens habe den syrischen Aufstand in die Hände der Islamisten gelegt:

As a result, the narrative continues, untold legions of Muslim moderates, secular democrats, and religious minorities who would otherwise be charting Syria’s democratic destiny are being elbowed aside. Even worse, by failing to intervene forcefully — meaning, to fuel the jihad with high-tech combat weapons and an aerial campaign to soften up Assad’s remaining defenses — the administration is frittering away the opportunity to strike up pragmatic alliances with the Vaccum-filling Islamists.
Right. I mean, look at how ably our decade of heavy investment has steered Iraq and Afghanistan in a pro-American direction. And behold how they love us in Benghazi!

Der Kampf um die Herzen ist in Wahrheit schon vor vielen Jahren verlorengegangen, denn verschiedene Studien zeigen schon lange, daß der Islamismus seit Jahren in den meisten arabischen Staaten die Mehrheitsmeinung darstellt. Und nicht nur dort. Vor kurzem erst wurde wieder aus Pakistan gemeldet, daß die Jugendlichen in Pakistan bei einer Auswahl zwischen einem religiösen Scharia-Staat — gedanklich geht es wohl um eine Art Taliban-Staat –, einer Militärdiktatur und einer Demokratie zu 38% ersteres bevorzugen, zu 32% zweiteres und nur zu 29% die Demokratie. Dazu muß man wissen, daß in Pakistan unter „Demokratie“ ein Verfahren verstanden wird, bei dem etwa Kandidaten ihr ausreichendes islamisches Wissen beweisen müssen, damit sie überhaupt auf dem Wahlzettel aufscheinen dürfen. Aber selbst das ist nicht genug.

Freilich: 29% Demokraten ist besser als nichts. Oder, wie McCarthy schreibt: „No one is saying there is a total dearth, in Syria and the wider region, of secular democrats, non-Muslims, and Muslim moderates averse to sharia fascism. The point is that these factions are vastly outnumbered.“ Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß in irgendeinem dieser Länder jetzt die Demokratie aufblühen wird. Am allerwenigsten in Syrien.

Wenn wir aber den einen Diktator nicht unterstützen wollen, und die anderen, die ihm als Diktator nachfolgen wollen, wohl auch nicht, was bleibt dann? Ich fürchte, nicht viel mehr als humanitäre Hilfe für all jene, die das Leid der syrischen Bevölkerung lindern wollen, und großherzige Aufnahme von Flüchtlingen der Minderheiten, die von der moslemischen Mehrheit systematisch vertrieben werden.

PS: Ein Zyniker wurde wohl eher vorschlagen, alle Flüchtlinge in Lagern unterzubringen und zu versorgen und dann ihre Rückkehr nach Syrien zu verlangen, selbst wenn schon fünfzig Jahre ins Land gegangen wären. Aber wer würde mit dem Leben der Menschen so umgehen … hüstel …

Advertisements

Ein Gedanke zu “Syrien: Fatwa für Vergewaltigung

  1. Ich möchte diesen Kommentar nutzen, um noch einmal zur Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen aufzurufen und um Spenden für Syrien zu bitten! UNICEF, Caritas und Rotes Kreuz brauchen dringend finanzielle Unterstützung um die Not zumindest ein wenig zu lindern. Ich hoffe, diese Bitte wird erhört. Danke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s