Thatcher, Champagnerflaschen und Wachstumsraten


Angesichts dessen, daß manche, die sonst gerne von Respekt und Toleranz reden, nun Parties auf den Tod Margaret Thatchers feiern, und auch sonst möglichst viel Bosheit über sie ergießen – Motto: De mortuis nil nisi male –, ist die schelmische Frage von Harry Mount nicht unberechtigt, ob Konservative in solchen besonderen Situationen grundsätzlich „nicer“ sind. Natürlich gibt es überall solche und solche, aber so ganz ist seine These nicht von der Hand zu weisen:

Das Wissen, daß ihre pragmatische, wirtschaftliche Vernunft oft als herzlos wahrgenommen wird, macht Konservative eher zurückhaltend, tiefstapelnd und apologetisch […] Es ist genau umgekehrt für die Linke. Weil sie immer Milch und Honig für die Unterdrückten befürworten – sogar dann, wenn diese Milch und dieser Honig wirtschaftlich unleistbar oder unmöglich zu bekommen ist – sind sie von einem Kraftfeld angekündigter Nettheit geschützt. Ist ihre öffentliche Güte einmal eingeführt, können sie sich selbst alle persönliche Gift und Galle spucken, die sie wollen – z.B. durch das Öffnen einer Champagnerflasche zum Tode einer gebrechlichen, 87jährigen alten Frau. [Übersetzung meinerseits]

Natürlich war Thatcher selbst nicht unbedingt zurückhaltend und tiefstapelnd – aber gerade in solchen schweren Momenten hat sie sich immer korrekt und menschlich verhalten.

Wie klar der Erfolg von Thatchers wirtschaftlichen Reformen auszumachen ist, war mir bis vor kurzem übrigens nicht klar. So habe ich mir in der Datenbank der St. Louis Fed ein paar Datenreihen angesehen (und war dabei nicht der einzige). Die untenstehende Graphik zeigt die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts zu verketteten Preisen in Kaufkraftparitäten. Das heißt inflations- und warenkorbbereinigt, soweit das statistisch eben möglich ist. Es zeigt am deutlichsten, ob sich die Menschen tatsächlich mehr leisten können oder nicht. Man sieht deutlich, daß Großbritannien in den Achtziger Jahren nach Überwindung der Volcker-Rezession die Wirtschaft schneller wuchs als im vergleichbaren Frankreich. Die ERM-Krise traf Großbritannien mehr als andere, doch danach erholte sich das Land wieder.

FRED: Veränderung BIP/Kopf in verketten Preisen und Kaufkraftparitäten

FRED: Veränderung BIP/Kopf in verketten Preisen und Kaufkraftparitäten

Deutlicher noch ein Vergleich der Entwicklung Großbritanniens und Frankreichs in Absolutwerten des BIP pro Kopf (wieder zu verketteten Preisen und Kaufkraftparitäten). 1979 war der durchschnittliche Brite deutlich ärmer als sein französischer Kollege. Ende der Neunziger herrschte Gleichstand, und seither hat Großbritannien Frankreich überholt. Besonders deutlich der Aufholprozeß während der Thatcher-Jahre:

FRED: BIP/Kopf in verketten Preisen und Kaufkraftparitäten

FRED: BIP/Kopf in verketten Preisen und Kaufkraftparitäten

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