Lieber Teilzeit oder Glasdecke? Ein Vergleich USA-Schweden.


In der Politik, Medien und Lobbying-Verbänden wird seit Jahren diskutiert, wie man den Anteil von Frauen in Spitzenpositionen erhöhen könnte (bzw. im Umkehrschluß den Anteil der Männer verringern.) Gleichzeitig wird lange diskutiert, wie man die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ verbessern könnte.

Doch kann man beide Ziele gleichzeitig erreichen? Das ist die Frage, die sich einem nach Lektüre dieses Aufsatzes von Christina Hoff Sommers stellt, die für das American Enterprise Institute Schweden und die USA in bezug auf Frauen am Arbeitsmarkt vergleicht.

In Schweden ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein leeres Wort. Das Modell ähnelt dabei sehr dem österreichischen. Es gibt eine bis zu sechzehn Monate dauernde Karenz mit tw. einkommensabhängigem Karenzgeld, einem Recht Elternteilzeit bis zum siebenten Geburtstag des Kindes und staatlich subventionierte Kinderbetreuungseinrichtungen von Kinderkrippen bis zum Hort. In den USa gibt es nur einen kurzen Mutterschutz (manchmal auch bezahlt), für manche Arbeitnehmer und alle Selbständigen überhaupt keine öffentliche Absicherung. Und dieser Unterschied macht sich auch bemerkbar: Die Erwerbsquote der Frauen[1] lag laut Weltbank 2010 bei 77%, damit nur 5 Prozentpunkte niedriger als die Erwerbsquote der Männer. In den USA ist die Erwerbsquote der Frauen mit 67% niedriger, der Abstand mit 11 Prozentpunkten zu den Männern deutlich höher. Österreich liegt mit einer Frauenerwerbsquote von 69% und einem Abstand von 12 Prozentpunkten etwa auf US-Niveau.

Der große Unterschied zwischen Schweden und den USA besteht dann aber in der Art der Erwerbstätigkeit der Frauen. In Schweden (und übrigens noch mehr in Österreich) arbeiten viele Frauen Teilzeit. (Hier gibt es übrigens eine Diskrepanz zwischen Weltbank und schwedischer Statistik) In den USA ist das seltener der Fall – weil es zu wenige Teilzeitstellen gibt. Viele Frauen und auch einige Männer würden nämlich nach Befragungen gerne Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. So ein Job findet sich aber gar nicht so leicht.

Umgekehrt gibt es in den USA viel mehr Frauen in höheren Positionen, viel mehr Frauen in qualifizierten Berufen, die typischerweise von Männern ausgeübt werden. Die USA haben die geringste Lücke zwischen dem Anteil weiblicher Arbeitnehmer, die in Führungspositionen sind, und männlicher Arbeitnehmer in eben diesen.

Der Grund ist simpel: In den USA wird man quasi gezwungen, sich auf den Beruf zu konzentrieren und die Familie zu vernachlässigen. Das reduziert natürlich Brüche in der Erwerbsbiographie. Umgekehrt: Wenn die notwendige Kinderbetreuung praktisch so viel kostet wie der Job bringt, dann bleibt ein Elternteil lieber gleich ganz zu Hause. Da gibt es dann gar keine Erwerbsbiographie mehr.

Der Sukkus: Das schwedische Modell schafft eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und kommt damit den Wünschen des Großteils der Menschen entgegen. Das amerikanische Modell dagegen kommt denen entgegen, für die Karriere, wirtschaftlicher Erfolg im Vordergrund stehen. Trotz dieser Unterschiede sind aber beide Länder wirtschaftlich erfolgreich.

[1] Die Erwerbsquote lt. Weltbank ist die Zahl der Personen im Alter zwischen 15 und 64, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Nicht erfaßt sind daher Personen in Ausbildung oder Personen, deren Tätigkeit nicht bezahlt wird, wie z.B. häusliche Erziehungsarbeit.

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