Meine Schafe hören auf meine Stimme


Der vierte Sonntag der Osterzeit hat wohl das kürzeste Evangelium der Festzeit – ich habe es zugegebenermaßen nicht überprüft:

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,27-30)

Es ist ein kurzer Text großer Kraft, der allerdings auch zu Mißverständnissen Anlaß geben kann, wenn man ihn nicht in der Gesamtschau der Bibeltexte gelesen hat. Jesus wird konfrontiert: Was hat es mit dem Messias-Anspruch auf sich? Bist Du es nun oder nicht? Und Jesus gibt darauf die obenstehende Antwort. Er tritt einem Messias-Verständnis entgegen, bei dem dieser die Menschen gleichsam zwingt, ihnen zu folgen, in dem er in solcher Pracht und Stärke auftritt, daß man sich ihm quasi nicht entziehen kann.

Wer sein Herz für Jesus geöffnet hat, wer auf die Stimme Jesu hört, ihn als seinen Hirten annimmt, der wird von Jesus auch angenommen: Kennen ist in diesem Zusammenhang mehr als ein bloßes „Habe ich schon einmal gehört“. Wenn wir aber auf ihn hören, dann folgen wir ihm auch. Wie Alkuin interpretiert: „[… das heißt,] daß sie hier den Weg der Sanftmut und der Unschuld gehen, danach aber zu den Freuden des ewigen Lebens eintreten.“ Umgekehrt: Man muß ihm nicht folgen. Gerade vorher spricht er seine Gesprächspartner an: „[I]hr aber glaubt nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört.“

Doch Jesus stellt sich Zweiflern daran, daß er der Messias sei, entgegen, indem er einen noch höheren Anspruch ausspricht: „Ich und der Vater sind eins.“ Damit wird auch die Dreifaltigkeit bereits angedeutet, und seine Gesprächspartner deutlich darauf hingewiesen, daß sie eben nicht dem Vater folgen, wenn sie ihn, den Sohn, ablehnen.

Man kann diese Stelle auch in Bedeutung einer Prädestination lesen, doch der Zusammenhang läßt diese Deutung abwegig erscheinen. Jesus könnte ja seinen Zuhörern gar nicht vorwerfen, daß sie ihm nicht glauben, wenn sie keine andere Wahl hätten.

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