45 Jahre „Humanae Vitae“


Heute vor 45 Jahren wurde die päpstliche Enzyklika „Humanae vitae“ von Papst Paul VI. veröffentlicht. Bis heute wird die Enzyklika als „Pillenenzyklika“ bezeichnet. Wird ihr das gerecht?

Gleich zur Eröffnung wird bekannt:

Die überaus ernste Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben, durch die die Gatten freie und bewußte Mitarbeiter des Schöpfergottes sind, erfüllt sie immer mit großer Freude; doch ist die Freude vielfach mit nicht geringen Schwierigkeiten und Bedrängnissen verbunden.

Nein, einfach ist es nicht. Wer die ersten Absätze liest, merkt gleich: Dieser Text wurde nicht leichthin verfaßt; genau wird begründet, warum sich der Papst dazu überhaupt zu Wort meldet, welche aufs erste vernünftige Alternativen vertreten werden. Ob man ihm zustimmt, ist eine Sache; doch es ist ein überlegter Text, der eine Auseinandersetzung lohnt.

Geradezu prophetisch:

Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, könnten die Ehrfurcht vor der Frau verlieren, und, ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet. Schließlich ist sehr zu bedenken, welch gefährliche Macht man auf diese Weise jenen staatlichen Behörden in die Hand gäbe, die sich über sittliche Grundsätze hinwegsetzen. Wer könnte es Staatsregierungen verwehren, zur Überwindung der Schwierigkeiten ihrer Nationen für sich in Anspruch zu nehmen, was man Ehegatten als erlaubte Lösung ihrer Familienprobleme zugesteht? Wer könnte Regierungen hindern, empfängnisverhütende Methoden zu fördern, die ihnen am wirksamsten zu sein scheinen, ja sogar ihre Anwendung allgemein vorzuschreiben, wo immer es ihnen notwendig erscheint? Auf diese Weise könnte es geschehen, daß man, um Schwierigkeiten persönlicher, familiärer oder sozialer Art, die sich aus der Befolgung des göttlichen Gesetzes ergeben, zu vermeiden, es dem Ermessen staatlicher Behörden zugestände, sich in die ganz persönliche und intime Aufgabe der Eheleute einzumischen.

Paul VI. betont dabei auch, daß man die Anwendung der ausgebreiteten Lehre nicht mit Strenge und Verdammung, sondern in Liebe und Duldsamkeit fördert, wie er den Priestern ans Herz legt:

Bei ihren Schwierigkeiten und Nöten sollten die Eheleute im Wort und im mitfühlenden Herzen des Priesters ein Echo der Stimme und der Liebe unseres Erlösers finden. […] Es geht nicht ohne Gebet. Lehrt es die Eheleute; unterweist sie, daß sie oft, mit großem Glauben, zu den Sakramenten der Eucharistie und der Buße kommen und niemals wegen ihrer Schwachheit den Mut verlieren.

George Weigel reflektiert im „National Review“ über die Enzyklika, die er für ihre klare Vorausschau der gesellschaftlichen Probleme durch die „Verhütungsrevolution“ lobt:

Marital fidelity, Pope Paul warned, would be threatened by the contraceptive mentality. Divorce rates have since skyrocketed throughout the Western world, and while there are many reasons for that, the contraceptive mindset that reduced marriage to a legal contract for purposes of mutual (tax) convenience surely played its role.

[… T]here is no monocausal explanation for today’s virtue deficit, which expresses itself in so many ways, including a general coarsening of life and culture. But surely it’s worth considering whether the post-Pill cheapening of sex into just another contact sport — cf. Tom Wolfe’s Hooking Up and I Am Charlotte Simmons — is one factor in the mix.

[…] Look at the plague of sexual abuse throughout society, the chronic inability of Gen X to make lifetime commitments, and the
multibillion-dollar exploitation of women in “adult” films — and then ask yourself, Who are the misogynists here?

Die vielleicht wichtigste Beobachtung: Die versprochene Freiheit der sexuellen Revolution, die in eine bessere Welt führen sollte, hat weder in die Freiheit noch in eine bessere Welt geführt, sondern viele Menschen in neue Abhängigkeit, Ausbeutung und Erniedrigung geführt. Davon spricht man nur ungern, da der Erfolg dieses Projekt zum Kern des Selbstbewußtsteins der Eliten gehört. Aber man muß die Kritik nicht teilen, um zu erkennen, das es Schattenseiten des veränderten Umgangs mit Sexualität gibt, die man nicht einfach ignorieren sollte.

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