Vermögensstudie: Die Arbeiterkammer auf der Suche nach den Superreichen


Jede Studie zu Vermögenswerten privater Haushalte macht mich hellhörig, handelt es sich dabei doch um Daten, die nur schwierig zu eruieren sind. Es fängt bei der Beurteilung an, was ein Vermögenswert ist (z.B. auch Versicherungs- und Pensionsansprüche?), geht mit der Erfassung weiter, die von Grundstücken über Schmuck, Bilder, Einrichtungsgegenständen bis zu Wertpapieren reicht, und dann mit der Bewertung dieser Güter. Selbst in Gesellschaften mit gläsernen Bürgern ein Unterfangen, bei dem schlußendlich nur Annahme auf Annahme getürmt werden kann, um zu einem ungefähren Ergebnis zu kommen, das einem halt eine Größenordnung vermittelt. Mehr nicht.

Daher hat mich auch die Studie von sechs Mitarbeitern der Johannes-Kepler-Universität interessiert, die unter Förderung der Arbeiterkammern Wien und Oberösterreich die Vermögen privater Haushalte ermitteln sollte. Und dabei zu einem Ergebnis gekommen ist, daß der Arbeiterkammer zwei nahezu gleichlautende Presseaussendungen wert war: Die vermögensten Österreicher sollen tatsächlich sehr vermögend sein.

Glücklicherweise haben die Zentralbanken des EZB-Verbundes vor kurzem versucht, durch stichprobenartige Erhebungen das Vermögen privater Haushalte zu schätzen. Und diese Daten sind auf Anfrage auch öffentlich zugänglich. Die Studienautoren Paul Eckerstofer, Johannes Halak, Jakob Kapeller, Bernhard Schütz, Florian Springholz und Rafael Wildauer nehmen nun diese Daten und unterstellen für die obersten Vermögenswerte eine Pareto-Verteilung, die an Hand der „Reichenliste“ des Magazins Trends, deren Daten natürlich ebenfalls problematisch sind — was die Autoren auch einräumen – kalibriert wird. Zusätzliche empirische Daten wurden nicht eingeholt; der Verweis auf die weggefallene Erbschaftsteuer scheint mir dabei hinterfragenswert, da sie ja bis August 2008 eingehoben wurde und sich seither die Vermögenswerte wohl nicht dramatisch verschoben haben dürften. Man hätte diese Daten ruhig einbeziehen können.

Der entscheidene Punkt ihrer Datenarbeit wird so beschrieben:

Zuerst wird mithilfe des Cramer-von-Mises Tests ein geeigneter Ansatzpunkt für die Pareto-Verteilung bestimmt. Die Daten oberhalb dieses Ansatzpunktes bilden dann die Datenbasis für die Schätzung der Pareto-Verteilung. Schließlich werden alle Haushalte mit einem Vermögen > 4 Millionen (also der zu korrigierende Teil) aus dem Datensatz entfernt und durch neu generierte Haushalte ersetzt, welche aus einer Serie von Zufallsziehungen aus dem oberen Bereich (> 4 Millionen) der zuvor geschätzten Pareto-Verteilung gewonnen
werden.

Diese Übung ist durchaus nicht uninteressant. Durch die Methode steht das Ergebnis aber praktisch von vornherein fest. Es muß sich fast zwangsläufig ergeben, daß die Vermögenskonzentration höher als in den Ausgangsdaten ist, und das geschätzte Gesamtvermögen ebenfalls zunimmt. In diesem Fall sogar um 25%. Da wäre ein Abgleich mit anderen Datenquellen oder Schätzungen wohl hilfreich, um die Plausibilität zu prüfen.

Die Aussage, die sich für die Arbeiterkammer daraus ergibt, kann der Leser aber nicht gewinnen: Weder ist festgestellt, daß das Vermögen der „Reichen größer als bisher bekannt“ sei, noch, daß die vermögenreichsten Haushalte soundsoviele Milliarden Euro mehr Vermögen haben als laut EZB-Studie. Festgestellt ist, daß unter Annahme einer bestimmten Vermögensverteilung, zu der es in der Studie diskutierte Alternativen gibt, bestimmte Rechenergebnisse folgen, deren Zusammenhang mit der Realität noch Gegenstand weiterer Überprüfungen sein müßte. An der ungefähren Größenordnung, die die EZB-Studie vermittelt, kann diese Arbeit mangels empirischen Beitrags nichts ändern.

Josef Urschitz kommentiert in der „Presse“ spitzzüngig: „Mangels Daten muss man leider wild herumschätzen und hochrechnen, bis das vom Auftraggeber Arbeiterkammer gewünschte Ergebnis vorliegt.“ Und wenn er andeutet, daß die Studie dem Wahlkampf geschuldet ist, hat er wohl nicht unrecht.

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