Pangur Bán: Ein Mönch und eine Katze


Über diese Geschichte der BBC über den Graffitikünstler Niels Meulman („Shoe“), der sich vom Evangeliar von Lindisfarne inspirieren läßt, bin ich auf das Gedicht von Pangur Bán gestoßen.

Pangur Bán, das ist eine weiße Katze, die sich wohl oft in der Nähe eines irischen Mönches des 9. Jahrhunderts auf Mäusejagd begab, während er über Büchern saß. Schließlich hat der Mönch seinem treuen Begleiter in Gedichtform ein Denkmal gesetzt, hier mit einer englischen Übertragung von Robin Flower:

Pangur Bán White Pangur
Messe [ocus] Pangur bán,
cechtar nathar fria saindán;
bíth a menma-sam fri seilgg,
mu menma céin im saincheirdd.
I and Pangur Ban my cat,
’Tis a like task we are at:
Hunting mice is his delight,
Hunting words I sit all night.
Caraim-se fos, ferr cach clú,
oc mu lebrán léir ingnu;
ní foirmtech frimm Pangur bán,
caraid cesin a maccdán.
Better far than praise of men
’Tis to sit with book and pen;
Pangur bears me no ill-will,
He too plies his simple skill.
Ó ru·biam — scél cen scís —
innar tegdais ar n-óendís,
táithiunn — díchríchide clius —
ní fris tarddam ar n-áthius.
’Tis a merry task to see
At our tasks how glad are we,
When at home we sit and find
Entertainment to our mind.
Gnáth-húaraib ar gressaib gal
glenaid luch inna lín-sam;
os mé, du·fuit im lín chéin
dliged n-doraid cu n-dronchéill.
Oftentimes a mouse will stray
In the hero Pangur’s way;
Oftentimes my keen thought set
Takes a meaning in its net.
Fúachid-sem fri frega fál
a rosc anglése comlán;
fúachimm chéin fri fégi fis
mu rosc réil, cesu imdis,
’Gainst the wall he sets his eye
Full and fierce and sharp and sly;
’Gainst the wall of knowledge I
All my little wisdom try.
Fáelid-sem cu n-déne dul
hi·n-glen luch inna gérchrub;
hi·tucu cheist n-doraid n-dil,
os mé chene am fáelid.
When a mouse darts from its den,
O how glad is Pangur then!
O what gladness do I prove
When I solve the doubts I love!
Cía beimmi amin nach ré,
ní·derban cách ar chéle.
Maith la cechtar nár a dán,
subaigthius a óenurán.
So in peace our task we ply,
Pangur Bán, my cat, and I;
In our arts we find our bliss,
I have mine and he has his.
Hé fesin as choimsid dáu
in muid du·n-gní cach óenláu;
du thabairt doraid du glé
for mu mud céin am messe.
Practice every day has made
Pangur perfect in his trade;
I get wisdom day and night
Turning darkness into light.

Quelle: Universität von Cambridge. Dort kann man sich das Gedicht auch anhören – sehr sinnvoll, da die Ausspracheregeln des Irischen anders sind, als ein deutschsprachiger Leser vermuten würde.

Uns ist das Werk durch das heute sogenannte „Reichenauer Schulheft“ bekannt, das ein Ire im 9. Jahrhundert vielleicht in Reichenau, jedenfalls im weiteren Bodenseeraum als Schreibübung verfaßt hat. Nunmehr befindet sich der Großteil des Heftes im Stift St. Paul in Kärnten.

Manche Kommentatoren sehen das Gedicht als reine Allegorie; ich meine aber, daß dieses Werk ohne eine Skriptorium-geschulte Katze nicht denkbar ist. Und Spuren von Katzen in mittelalterlichen Schreibstuben gibt es bekanntlich zur Genüge.

Andere Übertragungen ins Englische gibt es etwa von Wystan Hugh Auden, Frank O’Connor und Eavan Boland oder von Seamus Heaney.

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