Der Economist erklärt die Geldpolitik; Krugman attackiert Friedman


Die Entscheidungen der EZB oder auch der Federal Reserve beeinflußen unser Wirtschaftsleben erheblich; daher ist es kein Wunder, daß die Rolle der Zentralbanken im Zuge der Krise eifrig diskutiert wird. Ryan Avent hat für den Economist eine gute, auch für Normalbürger verständliche Zusammenfassung der Diskussion geschrieben. Einfach lesen!

Eine prominente Gruppe von Ökonomen sieht überhaupt keine wesentliche Rolle für die Notenbanken bei der Krisenbewältigung, sei es, weil die Zinsen bereits so niedrig seien, daß eine weitere Senkung zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht mehr möglich sei, sei es, weil sie grundsätzlich die Wirksamkeit der Geldpolitik bezweifeln. Zu diesen gehört momentan auch wieder Paul Krugman, der unermüdlich für höhere Budgetdefizite als ökonomisches Allheilmittel plädiert. Da paßt es, daß er Milton Friedman zur „Unperson“ erklärt hat, deren Bedeutung in bälde nur mehr die einer Fußnote sein werde. Er sei als Verfechter einer freien Marktwirtschaft einerseits, aber Befürworter geregelter Geldpolitik andererseits an diesem inneren Widerspruch gescheitert.

Nick Rowe gibt Krugman darauf folgende Antwort: „Ich lese Paul so, daß er Milton Friedman beschuldigt, eine inkonsistente Antwort auf eine dumme Frage zu geben.“ Denn überzeugt zu sein, daß die teilnehmenden Menschen durch ihre Handlungen die Wirtschaft langfristig nach einer Krise wieder auf Kurs bringen können, und andererseits für eine regulierte Geldpolitik zu sein, sei kein Widerspruch, sondern eine Notwendigkeit. Friedman betonte immer wieder die Bedeutung der Geldpolitik, soweit, daß er und seine Anhänger Monetaristen genannt wurden. Er wollte durch eine berechenbare Geldpolitik deren Einfluß auf die Wirtschaft minimieren, weil er überzeugt war, daß eine unberechenbare Geldpolitik schweren Schaden anrichten kann.

Rowe verlinkt dabei einen Artikel von Christine und David Romer mit dem sprechenden Titel: „Die gefährlichste Idee in der Geschichte der Federal Reserve: Geldpolitik wirkt nicht.“ Dabei zählen sie Episoden etwa in den Dreißiger und Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf, in denen mangelndes Vertrauen der Notenbanker in die Macht der Geldpolitik verheerende Folgen hatte.

Warum aber will Krugman unbedingt Friedman abqualifizieren? Schließlich ist er schon seit einigen Jahren verstorben, kein aktiver Player mehr.

Im Grunde geht es bei Krugman – wie leider meistens in den letzten Jahren – um Parteipolitik. Friedman ist gar nicht als Ökonom im Visier, sondern als pragmatischer Liberaler, der sich zu Lebzeiten medial wirkmächtig für Wahlfreiheit etwa im Schulwesen eingesetzt hat. Bei der republikanischen Basis gewinnt nun eine liberal-konservative Mischung an Fahrt, die in der Tea-Party weit verbreitet ist. In einigen gesellschaftspolitischen Fragen wird eine konservative Linie vertreten, in den meisten Themenfeldern aber die Entscheidungsfreiheit des einzelnen groß geschrieben. Das ist nicht unbedingt die Linie, die von den republikanischen Bundespolitikern vertreten wird, aber sie wird stärker. Und Friedman ist einer der Säulenheiligen dieser Richtung. Daher will Krugman Friedmans Leistungen herabwürdigen, um über diese Bande den liberalen Flügel der Republikaner zu treffen.

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