Zahlen Sie doch, soviel Sie wollen!


Was gibt es, wenn jeder für eine Leistung einfach das zahlt, was er dafür zu zahlen bereit ist? Freiwillig? Böse Zungen werden jetzt einmal sagen: Einen verhungernden Verkäufer. In St. Louis hat eine Restaurantkette die Probe aufs Exempel gemacht, allerdings vorsichtig: Lediglich eine Speise, ein Richtpreis ist angegeben, und jeder Mehrerlös dient einem guten Zweck. Da sind schon einmal Anreize gegeben, es nicht mit einem Cent zu belassen. Die Kette betreibt auch bereits eine Lokale mit Bezahlung auf freiwilliger Basis, allerdings handelt es sich dabei um spendenfinanzierte Sozialcafés. Trotzdem: Die Sozialcafés bleiben, doch die Speise mit bloßen Richtpreis ist aus den übrigen Restaurants der Kette wieder verschwunden.

Auch das Humble Bundle, eine Sammlung von Computerspielen, verbindet freiwillige Zahlungshöhe mit einem karitativen Zweck. Mittlerweile wurden über 25 verschiedene „Humble Bundle“-Pakete geschnürt und zigtausendfach verkauft, zu einem Durchschnittspreis zwischen fünf und vierzehn Dollar je Paket, das wiederum aus mehreren Spielen oder E-Books besteht. Hier kann der Käufer einerseits etwas erwerben, das ihn interessiert (die Spiele), und wird durch die Verknüpfung mit Spenden dazu angehalten, trotzdem seinen Obulus zu entrichten. Manchesmal (oder auch immer? Das weiß ich nicht) gibt es einen Bonus, wenn man

Der Unterschied, warum das Humble Bundle funktioniert, der Restaurantbetrieb dagegen weniger, liegt an einem simplen Problem, wie Tim Harford berichtet: Den zusätzlichen Kosten (oder auch Grenzkosten), die mit der Herstellung einer weiteren Einheit des Produkts verbunden sind. Das Humble Bundle ist eine Sammlung oft älterer Spiele, deren Entwicklungskosten schon hereingespielt wurden. Wenn nun eine weitere Kopie übers Internet heruntergeladen wird, sind die Grenzkosten für den Spielehersteller vernachlässigbar. Selbst vergleichsweise geringe Zahlungen werden diese Zusatzkosten abdecken, so daß es trotzdem ein Geschäft bleibt. Bei den Bündeln, die als reine karitative Aktion konzipiert sind, gilt dies umso mehr. Bei Speisen und anderen physischen Waren entstehen über die Fixkosten hinaus oft erhebliche Kosten in der Herstellung, und zumindest diese müssen getragen werden, damit das Geschäft weitergehen kann. Doch die Zahl der Trittbrettfahrer ist hoch, der Anreiz, ausreichend zu bezahlen, gering. Projekte, die auf freiwilliges Bezahlen setzen, blühen daher im digitalen Bereich, und sind im Gegensatz dazu auf den Einkaufsstraßen kaum vertreten.

Ein kleiner Hinweis: Harford erwähnt einen Artikel von Ayelet Gneezy, Uri Gneezy, Leif D. Nelson und Amber Brown, dem man hier lesen kann. Von Ayelet Gneezy, Uri Gneezy, Gerhard Riener und Leif D. Nelson gibt es einen Artikel zu „Pay-what-you-want, identity and self-signaling in markets“, in dem verschiedenen Experimente geschildert werden, einschließlich einem Experiment im Wiener Restaurant „Deewan“. Das „Deewan“ ist interessant, weil es es Speisen mit freiwilliger Bezahlung anbietet – Getränke haben feste Preise –, und mit diesem Konzept schon mehrere Jahre erfolgreich ist. Dabei sind die Getränke aber eine Art Preisanker. Bei entsprechender Gestaltung kann also auch ein Restaurant mit freiwilliger Bezahlung reüssieren – es ist aber nicht so einfach und basiert auf der Herstellung sozialer Situationen, in denen der Zahlende (im Durchschnitt) eine Orientierung über den angemessenen Preis erhält und ein Verpflichtung spürt, diesen auch leisten zu müssen.

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