Menschenverachtende Aktenspiele Wiener Art


Der Umgang der Stadt Wien mit den Missbrauchsopfern in den städtischen Kinderheimen spottet derart jeder Beschreibung, das Kommentare schwierig werden. Zwar wurde als Feigenblatt ein Untersuchungskommission eingesetzt, deren Ergebnis aber recht harm- und folgenlos war. Dabei kamen schreckliche Tatsachen ans Licht, wie etwa die regelrechte Prostitution von Kindern an SPÖ-Funktionäre, doch wurden sie kaum bekannt.

Nun will die Stadt den Missbrauchsopfern auch so wenig Entschädigung wie möglich zahlen und verwendet von den Tätern verfasste Aktenvermerke als Begründung für ausbleibende Wiedergutmachung, wie der Kurier berichtet. Der zuständige Stadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) meint nur lapidar:„Es steht jedem frei, zu klagen, wenn man mit den Entschädigungen nicht zufrieden ist.“

Der Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen kann durch diese Fälle in weltlichen Einrichtungen weder relativiert noch beschönigt werden; eines aber muss man zugeben: Diese Kaltschneuzigkeit gegenüber den Opfern wäre nicht tragbar. Im Falle der Stadt Wien sieht das offenbar – mit Ausnahme des Kurier – anders aus.

[Update] Wenigstens ein Politiker hat sich der Sache angenommen: Gemeinderätin Isabella Leeb (ÖVP) hat sich in der Sache zu Wort gemeldet und Partei für die Opfer ergriffen:

Bedauerlich genug, dass sich die Stadt bis dato weigert, sich in einer offiziellen Zeremonie bei den Opfern zu entschuldigen, werden die Opfer nunmehr auch verhöhnt und beleidigt (selbst wenn das Opfer von Seiten der Stadt über den Weißen Ring bereits eine Entschädigung erhielt – sprich der Weiße Ring den Missbrauch als gegeben annimmt).

Und Stadtrat Christian Oxonitsch will sich – wenig überraschend – wieder einmal „nicht äußern“ so Leeb, sieht sich wieder einmal nicht zuständig.

Abschließend mahnt Leeb Stadtrat Oxonitsch, sein Vorgehen gegenüber Opfern der Wiener Jugendwohlfahrt noch einmal dringend zu überdenken: „Wie der Bericht der Helige-Kommission gezeigt hat, waren der SPÖ die Vorkommnisse in den Wiener Kinderheimen seit Jahrzehnten bekannt. Und sie wurden jahrzehntelang vertuscht und unter den Teppich gekehrt. Höchste Repräsentanten des roten Wien waren Teil des Systems. Umso verständlicher, dass die Opfer über das nunmehrige Verhalten der Stadt Wien erzürnt sind. Zumal man versprochen hat, an einer vollkommenen und aufrichtigen Aufklärung interessiert zu sein. Stadtrat Oxonitsch ist aufgefordert, endlich Würde und Anstand der Opfer zu achten – nicht nur mit Worten, sondern auch durch Taten“.

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