Die USA: Vorbild für Brandsteidls und Schmieds Schulpolitik?


In den USA ist sowohl die Ganztags- als auch die Gesamtschule Realität. Berufsorientierte Ausbildungen, wie sie in Österreich in den berufsbildenden mittleren und höheren Schulen angeboten werden, sind dort erst nach der High School möglich. In der High School (etwa 9. bis 12. Schulstufe) herrscht sogar das auch bei uns propagierte Kurssystem, auch als „Shopping Mall High School“ bekannt und kritisiert.

Trotzdem (oder vielmehr: Gerade deshalb) ist man mit dem US-Schulsystem nicht sehr zufrieden. Das Schulsystem kostet eine Menge Geld, im Jahrt 2009 etwa 11.800 Dollar je Schüler (Österreich: 11.700; Finnland: 8.100; Deutschland: 8.500). Über 90% der Kosten trägt dabei der Staat, wie ja auch 90% der US-Schüler öffentliche Schulen besuchen. Doch das Ergebnis ist mager, viele US-Schüler selbst bei Abschluß der High School in den Kulturtechniken schwach, wenn sie nicht überhaupt die Schule abbrechen. Und soziale Herkunft scheint mehr als je zuvor die Bildungsfertigkeit mit 18 zu bestimmen.

Was tun? Wenn möglichst breites Herauslösen der Kinder aus ihren Familien, Zurückdrängung privater Freizeitgestaltung und ein einheitliches Schulsystem nichts gefruchtet haben, was bringt dann die erhoffte Egalität? So setzt man vielerorts auf Sprengelpflicht. Das führt dazu, daß Familien mitunter ihren Wohnsitz verlegen, um bestimmten Schulen zu entkommen, und hilft so unfreiwillig, sozial homogenere Wohnbezirke zu schaffen. Es hat also auch nicht das erwünschte Ziel gebracht.

Allison Benedikt von „Slate“ zeigt uns, wohin die Reise als nächstes geht: Verbot von Privatschulen. Sie nennt den Besuch von Privatschulen „unmoralisch“, Eltern, die ihre Kinder dorthin schicken, schlechte Menschen:

You are a bad person if you send your children to private school. Not bad like murderer bad—but bad like ruining-one-of-our-nation’s-most-essential-institutions-in-order-to-get-what’s-best-for-your-kid bad. So, pretty bad.

So wie in Österreich gibt es auch in den USA viele Privatschulen, die von kirchlichen oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen betrieben werden. In manchen Städten sind sie für ärmere Eltern die einzige Möglichkeit, ihre Kinder in eine vernünftige Schule zu schicken. Benedikt vertritt aber offen, daß die Eltern das Wohl ihrer Kinder opfern sollten, um der großen Idee der gemeinsamen öffentlichen Schule einen Dienst zu erweisen. Denn, so Benedikts Irrglaube, die Kinder von Eltern, die mehr in die Bildung ihrer Kinder zu investieren bereit sind, würden die anderen Kinder mitreißen, und so die Bildung aller heben. Das es auch genau umgekehrt sein könnte, kommt ihr gar nicht in den Sinn.

Was hat das mit uns zu tun? Einfach: Die Ideologie der heimischen Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ist Benedikts sehr ähnlich, ihr Ziel ebenfalls. Bei uns wird es allerdings selten so offen ausgesprochen.

Ein Zwischenziel hat die Wiener Stadtschulratspräsidentin Brandsteidl ausgerufen: Verpflichtende Ganztagsschule für alle. Wer das nicht will, kann ja in eine Privatschule gehen, so die SPÖ-Bildungspolitikerin. Sie sagt sogar genau (3. Antwort im verlinkten Interview), warum es geht: Eltern, die sich um die Bildung ihrer Kinder kümmern, soll diese Möglichkeit zeitlich genommen werden, um das Spielfeld nach unten zu nivellieren. Für die schulische Förderung von Kindern, die dieser bedürfen, bräuchte es ja keine verpflichtende Ganztagsschule.

Wie wir aber in den USA sehen, führt auch die Ganztagsschule nicht zur Verwirklichung des einheitlich gebildeten Kindes. Da gibt es Eltern, die versuchen ja doch immer wieder, ihre Kinder zu fördern! Und sei es durch Ausweichen in Privatschulen. Nächste folgerichtige Station also: Weg damit.

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