J.R.R. Tolkien zum 40. Todestag


Heute vor vierzig Jahren, am 2. September 1973, starb John Ronald Reuel Tolkien. Durch seine Geschichten aus Mittelerde, von denen die bekanntesten der „Kleine Hobbit“ und der „Herr der Ringe“ sind, ist er auch heute noch weithin bekannt. Die Verfilmungen tragen das ihre dazu bei, auch wenn Tolkiens Sohn und Nachlaßverwalter Christopher über die Adaptionen alles anderes als glücklich ist, wie er in einem Interview mit Le Monde 2012 freimütig bekannte.

Aber wie konnte diese Filme auch jemanden gefallen, der mit den Erzählungen aus Mittelerde praktisch aufgewachsen ist? Denn J.R.R. Tolkien hatte schon seinen Kindern Erzählungen aus Mittelerde vorgelesen, mit denen sie Stück für Stück diese Welt entdeckten. Eine Welt, in der die Sprache lebendig werden konnten, die Tolkien geschaffen hatte. Ein Zugang, zu dem ich große Sympathie habe: Man kann sich vieles durch Nachschöpfung intensiver aneignen, als es bloßes Lernen je könnte. Das Wunder der Sprache erkennt, wer sich selbst an ihr versucht.

Tolkien war ein überzeugter Katholik, und seine gelebte Religiosität spielte eine Rolle bei der Reise C.S. Lewis’ vom Atheisten zum Christen. Lewis und er waren Mitglied der Freundesrunde der Inklings, in denen eigene und fremde Werke diskutiert wurden. Anders als Lewis schrieb Tolkien keine vordergründig religiösen Werke — sieht man Fachbeiträgen zur Jerusalemer Bibel ab —, doch finden sich in seinen Geschichten Motive, die sich aus dem Glauben speisen.

Ein zentraler Begriff für Tolkien war „Sub-Creation“. Der Autor, der in seinem Text eine Welt lebendig werden läßt, der Maler, der ein Bild entstehen läßt: Sie beide sind „Sub-Schöpfer“ innerhalb der göttlichen Schöpfung. Entweder reflektiert der Mensch die Schöpfung, oder er korrumpiert sie, doch er ist nur in ihr tätig. Gleichzeitig sind wir Menschen zu dieser schöpferischen Gestaltung fähig, weil wir nach dem Abbild des Schöpfers selbst geschaffen sind. In seiner Erzählung „Leaf by Niggle“ (deutsch „Blatt von Tüftler“) wird dieses Thema möglicherweise angerissen.

Ein anderer: In seinen Erzählungen findet kein Kampf zwischen einfach guten und einfach bösen Gestalten statt. Zwar gibt es Widersacher, deren Herz sich völlig verfinstert hat, doch sind sie nicht an sich böse, sondern haben sich vom Guten abgewandt. Und auch die „guten“ Charaktere sind für Unterlassungssünden und böse Taten anfällig. Normale Geschöpfe sind eben keine strahlenden Lichtgestalten.

Neben Erzählungen aus seiner eigenen Welt hat Tolkien wissenschaftliche Werke verfaßt. Er hat sich des Prinzips der Aneignung durch Nachschöpfung auch in seinem Fachgebiet bedient, und verschiedene Sagen nachgedichtet. Erst heuer hat Christopher Tolkien eine Nacherzählung des Artusstoffes herausgegeben; zuvor waren das in Stabreimen verfaßte Gedicht „Sigurd und Gudrún“ veröffentlicht worden, das der nordischen Fassung der Nibelungensage folgt.

Der englischsprachige Wikipedia-Artikel ist übrigens ein gelungener Einstieg, wenn man mehr über diesen vielseitigen Menschen wissen will.

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