Syrien: Ex-Geisel Piccinin zweifelt an Urheberschaft des Giftgasangriffs


Die Berichterstattung über Syrien war in den letzten Tagen und Wochen davon dominiert, ob die USA nun Syrien bombardieren werden oder nicht, ob es ein „großer“ oder ein „kleiner“ Einsatz sein wird, usw.. Mit der Rede von US-Präsident Obama haben die USA de facto von ihren Angriffsplänen Abstand genommen – die im US-Kongress voraussichtlich ohnehin keine Mehrheit gefunden hätten, um einem russischen Plan zur Kontrolle und Zerstörung syrischer Chemiewaffen zu folgen.

Doch woher wissen wir über die Vorgänge in Syrien selbst Bescheid? Abgesehen von den mehr oder minder geschickt lancierten Propagandamitteilungen der Rebellengruppen und Regierung? Einer derjengen, der aus Syrien über den Bürgerkrieg berichtet hat, ist der Belgier Pierre Piccinin da Prata, der z.B. ein Buch über die „Schlacht von Aleppo“ geschrieben hat. Er war seit Beginn der Kämpfe mehrfach in Syrien, und unterhielt dabei enge Kontakte zu Kommandeuren der sogenannten „Freien Syrischen Armee“. Trotzdem wurde er am 8. April des Jahres durch Verrat eines FSA-Kommandanten von Islamisten entführt, und seither gemeinsam mit dem Journalisten Domenico Quirico als Geisel gehalten. In dieser Zeit wurden sie auch gefoltert und zweimal eine Scheinhinrichtung Quiricos inszeniert. Eine Freilassung schien unmöglich; Pater Paolo dall’Oglio verschwand selbst, als er versuchte, darüber zu verhandeln. Nun gelang es – vermutlich gegen Lösegeld –, die beiden in Sicherheit zu bringen.

Schon im Jänner 2013 berichtete er, dass die FSA-Kämpfer dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne, und stattdessen Islamisten, die von Akteuren aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien bestens ausgerüstet werden, immer mehr an Boden gewinnen.

Nach seiner Freilassung hält Piccinin es nach eigenen Angaben für seine moralische Pflicht zu berichten, dass die Regierung kein Giftgas um Damaskus eingesetzt hätte. Quirico ergänzt, dass sie ein entsprechendes Skype-Gespräch als Gefangene mitgehört hätten. Ob es stimme, könnten sie freilich nicht verifizieren. Das passt zu einem anderen Bericht, wonach der Vorfall durch unsachgemäßes Hantieren von Rebellengruppen mit Giftgas entstanden sein soll. Das belegt nicht, dass es so war, aber zumindest, dass dieses Gerücht unter bestimmten Rebellengruppen die Runde macht.

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