Jom Kippur: Der Herr hat kein Gefallen am Tod des Schuldigen …


Am Abend des 13. September beginnt heuer das jüdische Fest Jom Kippur, der Tag (jom) der Buße. Im Buch Levitikus wird dieser Tag eingesetzt und mit dem Ritual des „Sündenbocks“ verbunden, auf welche die Schuld des Volkes geladen wird. Lev 16,29ff:

Im siebten Monat, am zehnten Tag des Monats, sollt ihr euch Enthaltung auferlegen und keinerlei Arbeit tun, der Einheimische und ebenso der Fremde, der in eurer Mitte lebt. Denn an diesem Tag entsühnt man euch, um euch zu reinigen. Vor dem Herrn werdet ihr von allen euren Sünden wieder rein. Dieser Tag ist für euch ein vollständiger Ruhetag, und ihr sollt euch Enthaltung auferlegen. Das gelte als feste Regel. Der Priester, den man gesalbt und an Stelle seines Vaters als Priester eingesetzt hat, soll die Sühne vollziehen. Er soll die Leinengewänder, die heiligen Gewänder, anlegen. Er soll das geweihte Heiligtum, das Offenbarungszelt und den Altar entsühnen; dann soll er die Priester und das ganze Volk der Gemeinde entsühnen. Das soll für euch als feste Regel gelten: Einmal im Jahr sollen die Israeliten von allen ihren Sünden entsühnt werden. Und man tat, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte.

Er wird auch damit verbunden, dass Gott am 10. Tag des siebten Monats den Juden für den Götzendienst am Goldenen Kalb vergeben hat. Schließlich gilt nach alter Überlieferung, dass der Herr am Tag von Rosch haSchanah das Urteil über die Menschen für das kommende Jahr fällt, und zu Jom Kippur dieses Urteil besiegelt wird.

Jom Kippur beginnt kurz vor Sonnenuntergang des 9. Tischri und endet nach Sonnenuntergang des 10. Tischri. Jom Kippur wird als strenger Fasttag begangen, der selbst den Sabbat verdrängt, wobei nach jüdischer Tradition zusätzlich zum Arbeitsverbot fünf Gebote zu beachten sind, die einem dem Zustand der Menschen vor dem Sündenfall ähnlicher machen sollen:

  1. Kein Essen oder Trinken
  2. keine Verwendung von Parfums u.ä.
  3. kein Geschlechtsverkehr
  4. kein (unnötiges) Baden oder Waschen
  5. kein Tragen von Lederschuhen

Deshalb gibt es vor Anbruch des Feiertags am Rüsttag, dem Erev Jom Kippur, ein festliches Mahl, es werden Schuhe und Kleider gewechselt und Kerzen angezunden. Am Rüsttag soll man sich auch mit den Menschen versöhnen, gegen die man sich versündigt hat. Nur dann kann man auch die Versöhnung mit dem Herrn empfangen, so der Talmud.

Seit dem Untergang des Tempels wird kein Sündenbock mehr in die Wildnis entlassen. Reue, Versöhnung und die Bitte um Vergebung durch den Herrn werden heute in großen Gebeten in der Synagoge behandelt. Fünf Gebetsdienste sind es insgesamt. Der abendliche Gebetsdienst beginnt mit dem Kol Nidre, einem aramäischen Text, in dem religiöse Eide aufgehoben werden; nach den Abendgebet folgen ausgedehnte Bußgebete, die Selichot. Die folgenden Gebete sind das Morgengebet Schacharit, das oft daran angeschlossene Mussaf, das an die früheren Opfergaben im Tempel erinnert, das Nachmittagsgebet Mincha und das nur zu Jom Kippur übliche Ne’ila, bei dem mit einem lauten Ton aus dem Schofarhorn der Tag beendet wird — allerdings nicht in diesem Jahr, da Jom Kippur auf einen Sabbat fällt.

Der Grund des Jom Kippur wird am deutlichsten an diesem Spruch aus dem Buch Ezechiel:

Du aber, Menschensohn, sag zum Haus Israel: Ihr behauptet: Unsere Vergehen und unsere Sünden lasten auf uns, wir siechen ihretwegen dahin. Wie sollen wir da am Leben bleiben? Sag zu ihnen: So wahr ich lebe – Spruch Gottes, des Herrn -, ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt. Kehrt um, kehrt um auf euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? […] Und wenn der Schuldige sein sündhaftes Leben aufgibt und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, so wird er deswegen am Leben bleiben.

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