Reich an Huld und Treue


Der jüdische Bußtag Jom Kippur fiel heuer auf das Fest der Kreuzerhöhung. Das jüdische Fest der Versöhnung also mit dem christlichen Fest des Zeichens der Versöhnung: Christi Kreuzestod wird ja z.B. im Hebräerbrief an Hand des Tempelrituals von Jom Kippur erläutert und interpretiert: Christus als Hohepriester, der sich selbst als das Opfer der Versöhnung hingibt.

Nun geht es auch in den Texten der Lesung dieses Sonntags um Versöhnung. In der ersten Lesung wird ein Ausschnitt aus dem Buch Exodus gelesen, in dem Moses den Herrn zu besänftigen sucht, der wegen des Goldenen Kalbs, das sich die Israeliten gegossen hatten, in Zorn geraten ist. Hier ist wieder die Verbindung zu Jom Kippur sichtbar, denn eine seiner Quellen soll der Tag sein, an dem der Herr den Israeliten für die Verehrung des Goldenen Kalbs verzeiht und die zehn Gebote ein zweites Mal gibt. In der zweiten Lesung spricht Paulus über das Erbarmen Gottes, das er erfahren durfte:

Das Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, um die Sünder zu retten. Von ihnen bin ich der erste.
Aber ich habe Erbarmen gefunden, damit Christus Jesus an mir als Erstem seine ganze Langmut beweisen konnte, zum Vorbild für alle, die in Zukunft an ihn glauben, um das ewige Leben zu erlangen.

Schließlich folgen in der Perikope drei Gleichnisse, die den Wert der Umkehr, Reue, Versöhnung und Gottes liebevolle Bereitschaft, dem Sünder zu vergeben, aufzeigen: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme und vom verlorenen Sohn. Obwohl der Mensch im Verhältnis zur ganzen Schöpfung unbedeutend ist, ist doch Gott jeder einzelne etwas wert. Zur Zeit Jesu war eine Drachme ein wertvolles Geldstück – heute kaum vorstellbar –, und ein Schaf eine bedeutende Investition. Schließlich wird der Sünder sogar mit einem Sohn gleichgesetzt. Zu Jom Kippur hieß es: Gott will nicht den Tod des Schuldigen. Im Buch Exodus heißt es bei der Versöhnung Gottes mit den Israeliten: „Der Herr ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue:“ An diesem Sonntag erfahren wir in Gleichnisrede, wie unendlich weit dieser Langmut ist, wie unendlich groß die Freude über einen Sünder, der auf den Weg der Gerechtigkeit zurückkehrt.

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