Das Gleichnis vom unehrlichen Verwalter


Die Geschichte, die Jesus im Evangelium dieses Sonntags erzählt, ist bereits auf den ersten Blick hin sehr ungewöhnlich: Im Gleichnis vom unehrlichen Verwalter scheint dessen Verhalten auch noch gelobt zu werden. Zuerst betrügt er seinen Herrn und wirtschaftet in die eigene Tasche; als er davor steht, entdeckt zu werden, erlässt er auch noch den Schuldners seines Herrn einen Teil dieser Schuld, um sich bei ihnen für die Zeit nach seiner bevorstehenden Entlassung als Verwalter beliebt zu machen. Dann könnte er nämlich auf die Hilfe dieser Personen angewiesen sein.  Und Jesu Résumé: „Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht.“

Wenn man es zusammen mit dem Gleichnis vom treuen Verwalter nur wenige Kapitel früher liest, bemerkt man eine Wiederholung des Themas. Dort heißt es:

Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen. Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen.

Auch beim Gleichnis vom unehrlichen Verwalter naht der Herr; der Verwalter weiß diesmal aber, dass er bald entdeckt wird. So, wie wir alle wissen, dass wir eines Tages Rechenschaft ablegen müssen. Doch der unehrliche Verwalter sorgt mit Hilfe des ihm anvertrauten Gutes vor und erwirbt sich damit einen anderen Schatz, der ihm helfen wird: Die Dankbarkeit der anderen, deren Schulden er erlassen hat. So ist zumindest eine Zeitlang sein Fortkommen gesichert, während im Gleichnis vom treuen Verwalter sein untreues Pendant üble Aussichten hat.

Wir sollen es genauso und doch umgekehrt tun, wie Jesus in Lk 16,9 sagt: Die ungerechten Mittel des Mammon verwenden, um uns Freunde zu verschaffen – nicht etwa, um durch eine Ungerechtigkeit eine weitere entstehen zu lassen, sondern, um Ungerechtes einem gerechten Zweck zuzuführen. Immer wieder betont Jesus, dass die Schätze im Himmel bedeutender sind als alle Schätze auf Erden, die man doch über den Tod hinaus nicht mitnehmen kann. Und die auch unser Leben hier verfinstern können.

Gleichzeitig weist das Gleichnis aber auch daraufhin, dass es zur Umkehr und Besserung nie zu spät ist. Der Verwalter steht schließlich schon kurz vor der Entdeckung, und kann doch noch seine Zukunft sichern.

Anders als der unehrliche Verwalter können wir nicht zwei Herren dienen, nicht dem Mammon, das ist die Gier und Habsucht nach Besitz, und gleichzeitig auch Gott. Man kann nicht liebevoll und barmherzig sein, und gleichzeitig gierig und habsüchtig. Und wenn man es doch für vereinbar hält, dann ist etwas ordentlich schiefgelaufen.

Wie Beda Venerabilis in den Catena Aurea zitiert wird: „Der Geizhals soll hören, daß man nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen kann. Und er sagt nicht, ‚wer Reichtümer hat‘, sondern ‚wer Reichtümern dient‘, denn dieser ist der Knecht seiner Reichtümer, und wie ein Sklave bewacht er sie. Wer dagegen das Joch der Knechtschaft abgestreift hat, der verteilt sie wie ein Herr. “

[Update]Eigentlich kann man das alles auch abkürzen: So wie der unehrliche Verwalter gehen auch wir sorglos mit den uns anvertrauten Gütern um; allerdings nicht aus den gleichen, finsteren Motiven. Während sich der unehrliche Verwalter aber wenigstens für die Zeit der Rechenschaft Wohlwollen bei anderen erwirkt, sind wir im Umgang mit unseren Gütern nicht so klug, haben zu wenig Kreativität, wie wir damit Gutes tun könnten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s