Thérèse von Lisieux: Die kleine Blume der Liebe


Wir müssen unsere Unvollkommenheit annehmen und lieben und nicht länger daran arbeiten, Heilige zu werden, sondern nur uns mühen, Gott Freude zu machen.

Am 1. Oktober ist der Gedenktag der heiligen Thérèse von Lisieux (* 1873 † 1897), der „kleinen Therese“. Mir hat einmal ein Theologieprofessor gesagt, dass ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin durch Papst Johannes Paul II. ein Hinweis für Theologen ist, demütig zu sein: So vieles schreiben und disputieren sie Tag für Tag, doch das schmale Werk der kleinen Therese, keiner studierten Theologin, habe sie zur Kirchenlehrerin gemacht. Es kommt eben nicht unbedingt auf Gelehrtheit und Umfang an – wichtiger ist, ob der Inhalt Herz und Hirn trifft.

Die Spiritualität der Thérèse vom Kinde Jesu und vom heiligen Antliztz, wie ihr Ordensname lautete, ist von großer Hingabe an Jesus, großer Liebe zum Herrn und zu den Menschen geprägt. Von der Überzeugung, dass man die kleinsten Taten beachten und in Liebe vollbringen soll, dass man diese Liebe empfangen und weitergeben soll. Sie überwand für sich das Paradoxon, dass man nach Heiligkeit streben solle und sie doch ohne Gottes Hilfe nicht erreichen kann, in dem sie die barmherzige Liebe Gottes und und ihre Widerspiegelung in unserem Leben bedachte. 1895 gab sie sich selbst als „Ganz-Brandopfer“ – eine Anspielung auf das Alte Testament – an die barmherzige Liebe des lieben Gottes dar, worin sie betete:

Am Abend dieses Lebens werde ich mit leeren Händen vor dir erscheinen, denn ich bitte dich nicht, Herr, meine Werke zu zählen. Alle unsere Gerechtigkeiten sind befleckt in deinen Augen. Ich will mich also mit deiner eigenen Gerechtigkeit bekleiden und von deiner Liebe den ewigen Besitz deiner selbst empfangen.

Therese wuchs in der Normandie auf, wo sie als neuntes (und letztes) Kind von Zélie und Louis Martin auf, frommen Eltern, die mittlerweile selbst seliggesprochen wurden. Bereits mit 15 trat sie gegen allerlei Widerstände in den Karmel von Lisieux ein, wo schon zwei ihrer Schwestern eingetreten waren. Im Karmel wurde ihr bereits mit 23 die Betreuung der Novizinnen übertragen; vorher hatte ihr bereits die Priorin aufgetragen, ihre Kindheitserinnerungen aufzuschreiben, die offenbar den anderen Karmeliterinnen so außergewöhnlich und merkwürdig (im ursprünglichen Sinn) erschienen. Zu Lebzeiten war sie aber außerhalb des Karmeliterinnenklosters kaum bekannt; erst als ihre Schriften, insbesondere ihre spirituelle Autobiographie „L’histoire d’une âme“ (deutsch z.B. beim Paulinus-Verlag erschienen), nach ihrem Tod begeisterte Aufnahme fanden, verbreitete sich ihr Ruf. Sie selbst war vierundzwanzigjährig an Tuberkulose gestorben – nein, ins Leben eingetreten, wie sie selbst sagte.

Wie eine kleine weiße Blume unter den göttlichen Sonnenstrahlen sah sie sich selbst, kaum beachtenswert in der Schöpfung. Mag sein. Doch ihre Blume der Liebe blüht auch heute noch.

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