Wahlanalyse: Nicht jedes Land ist gleichviel wert #nrw13


Nun liegt das Wahlergebnis einschließlich aller Wahlkarten vor. Eigentlich wäre erst jetzt der richtige Zeitpunkt für Analysen gekommen, doch das hält natürlich niemand solange aus. Stattdessen wird am Wahlabend selbst schon munter kommentiert, obwohl sie da gegenüber dem endgültigen Wahlergebnis noch erhebliche Verschiebungen ergeben können.

So ist die Wahlbeteiligung nun mit 74,9% leider niedrig, aber nicht so niedrig, wie es ernste Stimmen am Wahlabend befürchtet haben. Nach dem BZÖ (-357.187 Stimmen) ist die SPÖ (-171.601 Stimmen) großer Verlierer der Wahl; auch die ÖVP hat allerdings keinen Grund zum Jubel (-143.780 Stimmen). FPÖ (+105.284 Stimmen) und Grüne (+72.721 Stimmen) konnten zusammen gerade einmal soviele Wähler dazugewinnen, wie die SPÖ alleine verloren hat. Das Wahlbündnis NEOS/LiF konnte 130.697 Stimmen mehr erzielen als das LiF 2008 alleine. Ein kleiner Wahlsieger ist die KPÖ, die immerhin 10.813 Stimmen mehr erhielt als vor fünf Jahren.

Bei den Wahlen gab es diesmal erhebliche regionale Effekte. So konnte die ÖVP in Tirol an Stimmen zulegen, was auch darin begründet war, dass die Liste Fritz 2008 bei der Nationalratswahl ein sehr gutes Ergebnis hatte, aber diesmal nicht mehr antrat. In Kärnten gab es für SPÖ, ÖVP und FPÖ durch das Wegfallen des Haider-BZÖ einen ähnlichen, noch viel deutlicheren Effekt. In Vorarlberg ist für die NEOS ein Heimatbonus für Matthias Strolz spürbar. Und in der Steiermark hat Frank Stronach tatsächlich viele Arbeitsplätze geschaffen und erhalten, ein Umstand, den die Wähler honorierten.

Ich habe mir die Verteilung der Stimmen nach Bundesländern angesehen, und dabei werden die regionalen Hochburgen besonders deutlich. Für die Bundeswahl ist es dabei weniger wichtig, wie hoch der Anteil unter den Wählern eines Bundeslandes ingesamt ist, sondern, wieviel Stimmen von dort für das Gesamtergebnis beitragen.

Dabei zeigt sich, dass Niederösterreich für die SPÖ wichtiger als Wien geworden ist: 22,25% aller SPÖ-Stimmen stammen aus Niederösterreich, aber nur 19,99% aus Wien. Zwar ist die SPÖ in Wien relativ stärker, aber dafür ist die Wahlbeteiligung auch deutlich niedriger. Mit Kärnten zusammen reichen diese drei Bundesländer für 50% der SPÖ-Stimmen. Eine echte Hochburg ist noch das Burgenland, das mehr SPÖ-Stimmen als etwa Salzburg oder auch Tirol aufweisen kann.

Jede vierte ÖVP-Stimme stammt aus Niederösterreich, dessen innerparteiliches Gewicht wohl gerechtfertigt ist. Oberösterreich stellt 18,9% der ÖVP-Wähler. An Stimmen folgt die Steiermark, doch ist die ÖVP dort unterdurchschnittlich stark. Tirol dagegen ist wieder zu einer Hochburg geworden. Zählt man Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol zusammen, kommen 56,7% aller ÖVP-Wähler aus diesen drei Ländern. Das Wiener Ergebnis muss die ÖVP aber sehr schmerzen, immerhin kommen die drittmeisten gültigen Stimmen aus Wien, doch im ÖVP-Ranking nimmt Wien Platz 5 ein. Es kommen ebensoviele ÖVP-Stimmen aus Tirol wie aus dem viel größeren Wien.

Die FPÖ verfügt zwar ebenfalls über Hochburgen, diesmal besonders die Steiermark, und unterdurchschnittliche Bundesländer (Kärnten, Burgenland), doch längst nicht so dramatisch wie für ÖVP und SPÖ.

Für das BZÖ ist es dagegen deutlich: Jede 5. Stimme kam aus Kärnten, wo man ja auch im Landtag sitzt, gefolgt von Oberösterreich, der Steiermark und Niederösterreich. Die schwachen Ergebnisse in Vorarlberg und Wien brachen der Organisation letztlich das Genick – interessanterweise die Hochburgen der Neos, die ja eigentlich etwas andere Wähler als das BZÖ ansprechen.

Das Grüne Ergebnis in Wien wird gerne belächelt, da hätte mehr drin sein müssen. Faktum ist aber, dass 22,4% aller Grün-Stimmen aus Wien kommen, insgesamt 130.492. Auch in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gab es überdurchschnittliche Ergebnisse. Freilich: 2006 hatten die Grünen in Wien sogar rund 140.000 Stimmen erzielt.

Beim Team Stronach stechen zwei Fakten ins Auge: Das Wiener Ergebnis ist besonders schwach, und das steirische besonders stark. Jeder vierte Frank-Wähler ist ein Steirer, genau 26,84% aller Stronach-Wähler. In Oberösterreich, Niederösterreich und besonders in Wien war die Performance aber schwach. Nur 11,55% aller Frank-Wähler kommen aus Wien, obwohl die Stadtbewohner 16,94% aller gültigen Stimmen abgegeben haben.

Die NEOS/LiF haben besonders deutliche Hochburgen: 26,11% der Stimmen sind aus Wien, 9,83% aus Vorarlberg, beide male deutlich über dem Anteil dieser Länder an den gültigen Stimmen insgesamt (16,94% bzw. 3,73%). Dafür war man im Burgenland, Kärnten und Oberösterreich außerordentlich schwach. Wenn die Partei also Landesstrukturen aufbauen will, werden das vielleicht nicht die ersten Ziele sein.

Diese Polarisierung ist bei der KPÖ noch deutlicher, die in Wien und der Steiermark zusammen 54,34% aller ihrer Wähler geholt hat. Das scheinen die einzigen Landesorganisationen zu sein, die Mobilisierungskraft besitzen.

Diese Hochburgen und Beiträge zur Bundeswahl erklären auch einiges der Macht bestimmter Landesorganisationen. Wenn z.B. Niederösterreich bei SPÖ und ÖVP auslässt, schaut es für die jeweiligen Bundesparteien bei Wahlen düster aus.

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