7. Oktober 1938: „Euer Führer ist Christus“


Der 7. Oktober 1938 war in Wien kein Tag für Demonstrationen. Jedenfalls nicht für solche, die nicht von den Machthabern, repräsentiert von Josef Bürckel, Gauleiter der NSDAP in Wien und Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Reich, organisiert worden war. Trotzdem versammelten sich an diesem Freitag bis zu 10.000 Jugendliche im Stephansdom zu einer gemeinsamen Andacht – im Kontrast zu den HJ- und BdM-Stunden, die am gleichen Abend angesetzt waren. Ein Abend, bei dem sich Kardinal Innitzer bei den Jugendlichen für seine Fehleinschätzung der Anschlusstage entschuldigte, und ihnen unmissverständlich zurief: „Einer ist euer Führer, euer Führer ist Christus, wenn ihr ihm die Treue haltet, werdet ihr niemals verloren gehen.“

Eine Provokation der Machthaber, die umgehend geahndet wurde. Es war Glück im Unglück, dass vor dem Ausbruch des Weltkriegs das Regime noch um seine Reputation in der Welt besorgt war und daher die Vergeltungsschläge über HJ-Mob und Hetzkundgebungen ausüben ließ, anstatt gleich ein Exempel zu statuieren.

Hans Werner Scheidl schildert in einem „Presse“-Artikel eindrücklich, warum dieser Abend, das sogenannte Rosenkranzfest, vor 75 Jahren so ein Wagnis war. Ein Wagnis, das umgehend mit einem Sturm des Erzbischöflichen Palais, Vandalismus und dem lebensgefährlichen Sturz von Domkurat Krawarik aus dem ersten Stock geahndet wurde.

Am Montag abend findet im Wiener Stephansdom um 18 Uhr ein Gedenkgottesdienst für dieses Ereignis statt, das sich in das Gedächtnis aller Teilnehmer tief eingegraben hat. Bei der anschließenden Enquete wird eine Brücke zu heutigen Christenverfolgungen geschlagen: Es sprechen sowohl Hanna Paradeiser, eine Zeitzeugin des 7. Oktober 1938, als auch Elmar Kuhn von Christian Solidarity International oder Gudrun Kugler vom Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen. Der emeritierte Kirchenrechtsprofessor Maximilian Liebmann und der Salzburger Erzabt Korbinian Birnbacher komplettieren die Runde.

 

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