Augstein und die Grüne Moral


Es ist ein Stehsatz über die Grünen Österreichs und Deutschlands, die sich trotz der unterschiedlichen politischen Landschaft der beiden Staaten sehr ähnlich sind, dass sie so tun, als ob sie die Moral für sich gepachtet hätten.

Selten aber, dass ein Sympathisant die Maske so fallen lässt wie Jakob Augstein, der in einer inkohärenten Kolumne die Grünen in Deutschland vor einer Koalition mit der CDU warnt, weil sie dann ihre Moral verlieren würden:

Was die Grünen von den anderen unterscheidet, ist die Moral. Das macht die Grünen zu einer anstrengenden Partei. Für sich selbst und für andere. Aber die Moral wird man so schnell nicht los. Sie ist eine starke Kraft und eine schwere Last zugleich.

Lassen wir beiseite, dass angesichts der Politik von Rot-Grün unter Gerhard Schröder und Joschka Fischer seine Beispiele für angeblich unüberbrückbare moralische Hürden höchstens amüsant sind: Die Aussage, eine politische Partei hätte einen besonderen moralischen Anspruch, ist überheblich, arrogant und denkfaul.

Überheblich, weil das im Umkehrschluss die Wähler und Funktionäre aller anderen Parteien für moralisch minderwertig erklärt. Damit wird die Parteiendemokratie de facto gleich für überflüssig erklärt: Wozu sollten die anderen, Unmoralischen überhaupt zur Wahl stehen dürfen? Eine Einstellung, die übrigens zu Wahlzeiten tatsächlich aus manchem Kommentar trieft.

Arrogant, weil die Überzeugung, selbst der moralische Urmeter zu sein, zu einer unkritischen Haltung gegenüber einem selbst und dem eigenen Umfeld führt, während sie zu lautstarken Verurteilungen der anderen gerade einlädt. Man sieht den Splitter im Auge der anderen, doch nicht den Balken im eigenen.

Denkfaul, weil es nicht einmal eine moralphilosophisch zu prüfende „Grüne Moral“ gibt, die Augstein verteidigen können wollte. Wohl gibt es viele Tabus und Verhaltsensnormen innerhalb der Grünen Partei und ihrem Umfeld, doch wird ihre Überlegenheit gegenüber andere moralische Prinzipien meist mit simpler Intuition argumentiert. Ein Argument, das sich selbst ad absurdum führt, da ja das Gegenüber die Intuition anscheinend nicht teilt. (Oder ihre Begründung wird heute besser verschwiegen, wie dieser Text nahelegt. Um augenzwinkernd Godwins Gesetz genüge zu tun: Auch im Dritten Reich wurde Vollkornbrot propagiert …)

Demokratie und eine freiheitlich verfasste Gesellschaft funktionieren so jedenfalls nicht. Zugegeben: An beiden Punkten ist Herr Augstein wahrscheinlich auch nur mäßig interessiert.

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