Janet Yellen: Eine gute Wahl


Die Diskussion um die Nachbesetzung des US-Notenbankchefs war im August/September zur Posse geraten, in der Obamas eigentlicher, aber unausgesprochener Kandidat Lawrence Summers schließlich sogar öffentlich bekunden musste, das Amt nicht anzustreben. Nicht wegen widerspenstiger Republikaner, sondern wegen noch viel widerspenstigerer Demokraten. Die haben sich nun  durchgesetzt. Nach angemessener Frist hat Obama die amtierende Vizevorsitzende der Federal Reserve, Janet Yellen, als Nachfolgerin von Ben Bernanke vorgeschlagen.

Die 67jährige Ökonomin und Notenbankerin steht dabei für Kontinuität und Erfahrung, beides Eigenschaften, die in der jetzigen Situation gebraucht werden können. Nachdem Präsident und Kongress schon bei der Fiskalpolitik das Land in unnötige Unsicherheit stürzen und die Wirtschaft und das Wohlergehen ihrer Bürger schädigen, sollte wenigstens die Geldpolitik ein Stabilitätsanker sein. Entscheidender Widerstand der Republikaner ist nicht zu erwarten: Zwar sind viele kritisch, weil Yellen etwas zu Unrecht mit „loser Geldpolitik“ verbunden wird, doch wird sie etwa vom American Enterprise Institute als relativ vernünftige Wahl angesichts der Möglichkeiten gesehen.

Yellen, übrigens mit Nobelpreisträger George Akerlof verheiratet, hatte einen anderen Nobelpreisträger, James Tobin, als Doktorvater. Nach dem Doktorat in Yale arbeitete sie in Harvard, begann aber bereits 1977 erstmals als Ökonomin für die Federal Reserve zu arbeiten. Ihre zahlreichen Stationen in Lehre, Politik und Notenbankarbeit führten sie z.B. 1994 in den Gouverneursrat der Fed, 1997 in die Position der obersten Wirtschaftsberaterin von US-Präsident Bill Clinton. 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Federal Reserve Bank in San Francisco, eine der zwölf Regionalbanken des US-Notenbanksystems, bevor sie Ben Bernankes Stellvertreterin wurde.

Viele US-Ökonomen stehen ihrer Nominierung sehr positiv gegenüber, wie das Wall Street Journal berichtet. Justin Wolfers bringt es da auf den Punkt: „Yellen ist ganz einfach besser für den Job qualifiziert als jeder ihrer Vorgänger.“ John Taylor, bekannt durch die Taylor-Regel, schätzt sie, weil sie die Fed stärker regelbasiert – d.h. berechenbar und verlässlich – führen will. Das wird die Aufregung auf den Märkten reduzieren. Die Fed hat aber gesetzlich einen doppelten Auftrag – Beschäftigung und Währungsstabilität –, und Yellen wird wie schon Bernanke diesem Beschäftigungsaspekt mehr Bedeutung beimessen, als es die EZB darf und will.

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