Naaman und Elischa: Quasi eine Selbsttaufe?


An diesem Sonntag ist für die erste Lesung der Schluss der Geschichte des Feldherrn Naaman vorgesehen, der durch den Propheten Elischa vom Aussatz geheilt wurde. Naaman befehligt die syrische Armee und hat mit ihr große Erfolge erzielt. Doch dann befällt ihn der Aussatz. Wahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um die Krankheit, die heute mit Lepra bezeichnet wird, denn diese verbreitete sich erst später in Syrien und Israel; möglicherweise handelt es sich um Psoriasis. Nach jüdischem Gesetz war man mit dieser Erkrankung unrein.

Seine Frau hat glücklicherweise eine jüdische Sklavin, die rät, sich an den Propheten Elischa zu wenden. Naaman geht mit dieser Information zu seinem König, der ihm nicht nur erlaubt, nach Israel zu reisen, sondern auch für diese Reise fürstlich ausstattet und ihm einen Brief an den König von Israel mitgibt: „Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst.“ Der König versteht dies offenbar als persönliche Aufforderung, wittert eine Finte und sagt einen Satz, der gerade in einer Zeit der Gottkönige ungewöhnlich ist: „Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann?“

Glücklicherweise erfährt der Prophet Elischa von dem Ereignis und lässt dem König ausrichten, er solle doch Naaman zu ihm schicken. Dann werde er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gebe. Gesagt, getan. Elischa spricht nicht mit dem großen General selbst, sondern lässt ihn über einen Boten ausrichten, er soll sich siebenmal im Jordan waschen. Da Naaman unrein ist, könnte Elischa ihn auch gar nicht ins Haus lassen. Naaman ist wütend: Was soll das für eine Wunderheilung sein, bei der man sich in diesem bescheidenen Fluss waschen soll? Dazu die weite Reise? Andere aus seinem Gefolge behalten aber einen kühlen Kopf: „Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun[.]“ Jetzt sind sie schon so weit gereist, da kommt es nicht mehr darauf an, es nicht doch mit der angeordneten Reinigung zu versuchen.

Es wirkt: „καὶ κατέβη Ναιμαν καὶ ἐβαπτίσατο ἐν τῷ Ιορδάνῃ ἑπτάκι κατὰ τὸ ῥῆμα Ελισαιε, καὶ ἐπέστρεψεν ἡ σὰρξ αὐτοῦ ὡς σὰρξ παιδαρίου μικροῦ, καὶ ἐκαθαρίσθη.“ In meiner Übersetzung: „Und Naaman ging hinunter und tauchte in den Jordan siebenmal gemäß dem, was Elischa gesagt hatte, und sein Fleisch kehrte zurück wie das Fleisch eines kleinen Kinds, und er wurde gereinigt.“

Diese Stelle ist aus christlicher Sicht sehr interessant, denn der unreine Heide Naaman wird im Jordan gleichsam getauft – in ἐβαπτίσατο steckt das Wort, das später im Griechischen auch für die Taufe verwendet werden sollte – und wird rein.

Gereinigt darf Naaman nun auch vor Elisha treten. Dankbar will er ihm etwas schenken, doch Elischa lehnt ab. Die Heilung soll kein Geschäft für den Propheten sein. Naaman bekennt sich nun zum Herrn, den er als einzigen Gott erkannt hat, und bittet Elischa um Erde, um zu Hause eine Stätte des Gebets und Opfers für den Herrn zu errichten. Gleichzeitig bittet er um Verzeihung darum, wenn er als oberster Feldherr auch weiter seinen König in den Tempel des Rimmon begleiten muss: „Ich muss mich dann im Tempel Rimmons niederwerfen, wenn er sich dort niederwirft. Dann möge das Jahwe deinem Knecht verzeihen.“ Worauf Elischa antwortet: „Geh in Frieden!“

Das kann man jetzt doppelt deuten. Entweder als Erfüllung von Naamans Wunsch nach Erde und einem gewissen Verständnis für seine Situation, oder als ausweichende Reaktion. Aus der positiven Haltung des Alten Testaments gegenüber Nichtjuden, die in unvollkommener Weise, aber doch den Glauben an den Herrn bekräftigen, ist wohl zumindest eine gewisse Ermutigung für Naaman daraus abzulesen.

Nun kommt es noch zu einer Episode, mit der noch einmal bekräftigt wird, dass das Handeln des Propheten und seiner Jünger niemals dem eigenen Vorteil dienen darf. Denn Gehasi, der Diener Elischas, schwindelt Naaman vor, Elischa habe nun doch wegen zweier Jünger Bedarf an Silber und Festgewändern, die der dankbare Feldherr dem Diener auch freimütig aushändigt. Elischa findet das allerdings heraus. Und weil Gehasi Naaman Geld haben wollte, so erhält er auch seinen Aussatz: „Gehasi ging hinaus und war vom Aussatz weiß wie Schnee.“

Jesus selbst erwähnt die Heilung Naamans übrigens in seiner Rede in der Synagoge von Nazareth: „Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.“ Damit wird eines der Rätsel der Erzählung von Naaman berührt: Warum wendet sich der Prophet Elischa gerade ihm zu? Elischa kennt Naaman ja gar nicht. Er ist noch dazu kein Jude, zu denen ja der Prophet eigentlich spricht. Aber Naaman lässt sich eben anders als andere auf den Propheten ein; er glaubt ihm vielleicht nicht, aber er riskiert es zumindest, seinen Worten zu folgen. So wird Naaman auch zum Spiegel für die, zu denen Elischa eigentlich gesandt wurde.

(Alle Zitate, außer bei anderem Hinweis, nach der Einheitsübersetzung.)

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2 Gedanken zu “Naaman und Elischa: Quasi eine Selbsttaufe?

  1. Kann man das „Geh in Frieden“ wirklich doppelt deuten? Ich wüßte kein Beispiel, daß mit einem Segensspruch in der Bibel jemals eine abschlägige Antwort verbunden wäre, vgl. Jak. 2,16.

  2. Da haben Sie natürlich recht. Manche Exegeten stellen sich aber die Frage, ob Elischa damit sein Verständnis dafür geäußert hat, dass Naaman sich weiterhin im Tempel des Rimmon niederwerfen wird, und einige verneinen es auch. Ich denke aber, dass die Antwort Elishas durchaus als Ermutigung für Naaman gedacht ist. Schalom ist im Kontext ein zu gewichtigter Gruß, als dass ihn Elischa aussprechen könnte, wenn Naamans Vorhaben der direkte Weg in die Ungnade wäre.

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