Zu Georg Büchners 200. Geburtstag


Am 17. Oktober 2013 jährt sich zum Zweihundertstenmal der Geburtstag des hessischen Arztes und Wissenschafters Karl Georg Büchner, der für seine Dissertation über das Nervensystem der Barbe Anerkennung und Aufnahme in die Straßburger Gesellschaft für Naturwissenschaften fand und in Zürich ab November 1836 als Privatdozent arbeiten konnte. Leider jährt sich in gerade einmal etwas mehr als 23 Jahren, am 19. Februar 2037, auch sein Todestag zum Zweihundertstenmal. Ansonsten wäre Büchner vielleicht wirklich als Arzt und Wissenschafter bekannt geworden, wie er es vorhatte.

Tatsächlich begründet sich Büchners Ruhm freilich auf dem schmalen literarischen Oeuvre, das er in seinen Studienjahren verfasste. Im Gegensatz zu anderen Kommilitonen, deren Arbeiten wohl über die Qualität jener Stücke nicht hinausgingen, die im Schönthanschen Schwank „Der Raub der Sabinerinnen“ so treffend karikiert werden, hat seine Sprache große Kraft, sind seine Texte mit Aphorismen gewürzt, die bis heute treffend geblieben sind. Davon kann man sich selbst etwa auf zeno.org überzeugen, wo seine Werke frei verfügbar sind. Oder bei Reclam, wo gedruckte Ausgaben wohlfeil zu haben sind.

Übrigens war auch seine Schwester Luise, eine Schlüsselfigur der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts, schriftstellerisch tätig, ebenso seine Brüder Ludwig, ein glühender Materialist voll religiösen Eifers, und Alexander, ein Professor für Literaturgeschichte, der in jungen Jahren eine deutsche Republik nach US-Vorbild gründen wollte. Bruder Wilhelm wiederum war einerseits als Erfinder und Farbenfabrikant, andererseits aber als Abgeordneter zum Reichstag für die Liberalen tätig. Georg Büchner selbst gerierte sich in seiner Gießener Studienzeit als Revolutionär gegen die hessische Regierung, über die man eigentlich in den Geschichtsbüchern nichts außergewöhnlich Negatives zu lesen findet. Büchners Drama „Dantons Tod“ beweist aber eine ungewöhnlich frühe Reflektion über das grausame Wesen eines Umsturzes.

Offenbar förderte das Elternhaus der Büchners auf die eine oder andere Weise Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit, sprachliche Fähigkeiten und ein damals wohl eher als „links“ einzuordnendes Weltbild. Nicht zuletzt: Eine umfassende Bildung.

Wer etwas über Büchner lesen will, wird angesichts des runden Geburtstags rasch fündig: Die „Zeit“ widmet ihm eine längere Würdigung, das Deutschlandradio widmet ihm sein Kalenderblatt, die Deutsche Welle diskutiert Büchner mit Hilfe von Hermann Kurzke. À propos Kurzke: Der hat eine fünfhundert Seiten starke Biographie des so jung verstorbenen Büchner verfasst – wie lange wäre sie bei einem länger lebenden Büchner geworden? -, in der er die in den Sechziger und Siebziger Jahren populäre Deutung von Büchner als frühen Sozialrevolutionär kritisiert, die christliche Basis seines Denkens herausarbeitet und das autobiographische Element der Dichtung Büchners hervorstreicht.

In Darmstadt gibt es bis 16.2.2014 eine große Ausstellung des Instituts Mathildenhöhe zu Büchner. Ob sie auch gut ist, weiß ich nicht. Unter „Pressestimmen“ weißt die Homepage momentan einen positiven Kommentar aus.

Heuer wurde auch die historisch-kritische Ausgabe Büchners sämtlicher Werke abgeschlossen, ein sechzehnbändiges Monumentalwerk: Die „Marburger Ausgabe“. Allein „Dantons Tod“ umfasst dort vier Bände. Ein Spiegel-Bericht aus dem Jahr 2000, den Kritiker der Edition umfassend gespeist haben, ist dazu sehr informativ.

Mit Blick auf die Blogözese sei auch ein Hinweis auf „Lena in Waldersbach“ eingeflochten, eine Novelle Eduard Habsburgs, in der die Hauptfigur Lena auf den Spuren von Büchners „Lenz“ wandelt. Zahlreiche Anspielungen auf Büchners Werk und Leben (natürlich insbesondere den „Lenz“) und ein raffiniertes Spiel mit Erwartungen warten auf den Leser.

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