Prinz Eugen kann nicht überschätzt werden


Derzeit kommt man aus den Jubiläen und Gedenktagen einfach nicht heraus. Nach dem gestrigen 200. Geburtstag Georg Büchners folgt heute der 350. Geburtstag des Prinzen Eugen von Savoyen, der am 18. Oktober 1663 das Licht der Welt erblickte.

Man kann die Bedeutung des kleinen Prinzen für Österreich und Europa nicht überschätzen. Die endgültige Abwehr der Türkengefahr geht militärisch und diplomatisch ebenso auf sein Konto wie glänzende Erfolge im Spanischen Erbfolgekrieg. Beim Frieden von Rastatt konnte er für Österreich die spanischen Niederlande und die italienischen Besitzungen der Spanier sichern und damit das Kräfteparallelogram Europas neu austarieren. Als Berater dreier Kaiser war er an der positiven inneren Entwicklung der habsburgischen Länder wesentlich beteiligt. Als Kunstmäzen und Buchliebhaber hinterließ er ein bis heute eindrucksvolles Erbe, vom Schloss Belvedere über Schlosshof und Schloss Ráckeve zu den wertvollen Folianten in der Nationalbibliothek und vielem mehr.

Und doch hat ihn eigentlich der Zufall in die Dienste der Habsburger geführt. Seine Familie, eine Nebenlinie des Hauses Savoyen, lebte am französischen Hof. Seine Mutter, die Italienierin Olympia Mancini, war die Nichte des Kardinals und Staatsmanns Jules Mazarin und eine Favoritin König Ludwig XIV., kurze Zeit sogar Obersthofmeisterin der Königin. Der Vater, Eugen Moritz von Savoyen-Carignan († 1673), war ein geachteter General, ab 1658 Gouverneur der Bourbonnais, später der Champagne. Allerdings verwickelte Olympia Mancini die Familie in Hofintrigen, die zur zweimaligen Verbannung Olympias vom Hof führten. Schließlich musste sie im Zuge einer Giftmordaffäre 1680 Frankreich vollständig verlassen.

Nach dem Tode des Vaters blieben die Kinder bei der Großmutter. Doch die Ungnade, in die Olympia gefallen war, färbte auch auf ihre Kinder ab.

Der junge Eugen hätte z.B. die geistliche Laufbahn einschlagen sollen, zu der er sich keineswegs berufen fühlte; der Eintritt in das Militär, wie es für Personen seines Standes durchaus üblich war, war ihm von König Ludwig XVI. jedoch verwehrt worden. So ritt Eugen 1683, im Jahre des großen Angriffs der türkischen Armee auf Österreich, nach Passau, wo sich Kaiser Leopold I. aufhielt. Bereits vorher war Eugens älterer Bruder Ludwig Julius in die Dienste der Habsburger getreten; so war Eugen wohl auch auf die Idee gekommen. Nach dem Tod des Bruders bei einem Gefecht gegen die Türken erhielt Eugen zwar nicht dessen Regiment zugesprochen, nahm aber an der Befreiung Wiens teil und hat sich dabei derart ausgezeichnet, dass er bereits mit Jahresende zum Obersten eines neuen Regiments bestellt wurde. Dass der Markgraf von Baden, der „Türkenlouis“, sein Cousin war, dürfte dabei wohl nicht geschadet haben.

Der weitere Aufstieg ist bekannt. Weniger bekannt vielleicht, dass er sich nicht nur mit militärischen Fragen und der Kunst beschäftigte. So korrespondierte er auch mit Leibniz, Muratori oder Montesquieu, und wollte Leibniz bei der Errichtung einer Akademie der Wissenschaften in Wien helfen, zu der er es dann leider nicht kam. Sein wirtschaftlicher Verstand ist für ihn persönlich ebenso verbürgt wie durch sein Handeln als Statthalter etwa in den österreichischen Niederlanden. Eine amüsante Episode ist, wie er ebendort durch ein Verbot, Anteile an der französischen Mississippi-Gesellschaft zu erwerben, die Bürger vor großem Schaden bewahrte. Ob absichtlich oder unabsichtlich, wer weiß? Jedenfalls ging die Gesellschaft bald bankrott, die Anlegergelder waren dahin, doch die Bewohner der österreichischen Niederlande im Unterschied zu anderen Zeitgenossen davon nicht betroffen.

Seine letzte Ruhestätte hat Prinz Eugen übrigens im Wiener Stephansdom gefunden, in einer Seitenkapelle links vom Eingang. Dort ist ein Grabstein in den Boden eingelassen.

Wer mehr über Prinz Eugen wissen will, sollte besser zu älteren Werken greifen. Neue Erkenntnisse sind über ihn kaum mehr zu gewinnen, so dass neuere Bücher meistens durch „ungewöhnliche Blickwinkel“ oder Fokussierung auf missgünstigen Tratsch über den Savoyer bestechen wollen. Das kann amüsant sein, wenn man ohnehin schon gut bescheid weiß. Sonst gilt, was der Historiker Max Braubach schrieb: „Es dürfte kaum eine andere Persönlichkeit der neueren Geschichte geben, deren Erforschung von soviel Mißgeschick getroffen, deren Erkenntnis durch soviel Irrtum und tendenziöse Machenschaften erschwert worden ist, wie die des Siegers von Zenta, Höchstädt und Belgrad, des Prinzen Eugen von Savoyen. Schon die Biographien des 18. Jahrhunderts suchten fehlendes Material und fehlende Kenntnisse durch Geschichten und Anekdoten zweifelhafter Herkunft zu ersetzen; […]“

Wer es antiquarisch liebt, hat die Wahl: Monumental ist Max Braubachs fünfbändige Biographie des Prinzen Eugen („Prinz Eugen von Savoyen“, Oldenbourg-Verlag), neuer Gottfried Mraz’ Biographie („Prinz Eugen. Ein Leben in Bildern und Dokumenten“, Süddeutscher Verlag), älter und anscheinend faksimiliert wieder erhältlich ist das dreibändige Werk Alfred Ritter von Arneths. („Prinz Eugen von Savoyen“; beim Europäischen Geschichtsverlag, EHV History oder Dogma zu sehr unterschiedlichen Preisen als Reprint erhältlich).

Es muss aber nicht antiquarisch sein. Eine bereits in den Achtziger Jahren sehr beliebte Biographie, die Ernst Trost verfasst hat, ist heuer in 3. Auflage herausgekommen. Im gleichen Verlag ist 2004 auch die Prinz-Eugen-Biographie von Wolfgang Oppenheimer erschienen, zu der Otto von Habsburg ein Vorwort beigesteuert hat.

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