Hat Halloween einen katholischen Kern?


Halloween ist in Österreich in den letzten Jahren immer populärer geworden. Dazu hat einerseits die wirkmächtige US-Populärkultur beigetragen – was wären etwa die „Simpsons“ ohne ihre Halloween-Folgen –, andererseits das handfeste wirtschaftliche Interesse, das sich mit einem weiteren Fest im Jahreskalender verbindet. Da Elemente des „wohligen Schauers“ heutzutage überwiegen und gerne diverse Horrorfilme als Vorlage für Halloween-Kostüme herhalten, ist der Ursprung dieser Festivität aber weitgehend in Vergessenheit geraten und durch moderne Folklore ersetzt worden.

Halloween ist in den späteren Vereinigten Staaten wohl als Amalgam irischer und französischer Bräuche entstanden, die sich jeweils um das katholische Festdoppel von Allerheiligen und Allerseelen, das ja in dieser Form erst seit 998 existiert, gruppiert haben. Augustine Thompson beschreibt das in einem Artikel auf beliefnet.com recht ausführlich.

Wie ich letztes Jahr bereits geschrieben habe, ist die allgemeine Verbreitung des Allerheiligentermins vom 1. November eine angelsächsisch-fränkisch-römische Koproduktion, während die Iren dafür ursprünglich einen anderen Termin vorgesehen hatten. Als unter Kaiser Ludwig dem Frommen im Jahr 835 das Fest für das ganze Frankenreich proklamiert wurde, setzte es sich bald in der gesamten katholischen Kirche durch, so schließlich auch in Irland. Doch der Bezug zu den Verstorbenen im allgemeinen wurde erst durch Odilo von Cluny hergestellt, der in Cluny ein Allerseelenfest für den 2. November einführte; ähnliche Feste waren vorher regional zu unterschiedlichen Zeiten begangen worden.

In Irland soll sich nach dem Einzug des cluniazensischen Festes eine Vorfeier der Seelen eingebürgert haben, an die man weder zu Allerheiligen noch zu Allerseelen denkt. In Frankreich wiederum hatten sich im Zuge der Großen Pest makabre Verkleidungen für Allerseelen durchgesetzt, ähnlich dem Totentanz. In früheren Zeiten waren ausgelassene Feste eng mit kirchlichen Feiertagen verbunden, und das memento mori oft mit einem Sinnesrausch auf Erden verknüpft. Die irischen und französischen Bräuche wurden von katholischen Auswanderern in die USA mitgebracht, wo sie sich mit englischem Brauchtum vermischt haben. Ein Grund mehr, warum Robert Barron betont, dass das US-Brauchtum rund um Halloween einen katholischen Kern habe.

Das Element des „trick or treat“ könnte vielleicht auf den mittlerweile verschwundenen englischen Brauch zurückgehen, dass Kinder zum „Guy-Fawkes-Day“ von Haus zu Haus zogen um einen „penny for the Guy“ zu erfragen. Es soll auch einen dunkleren Hintergrund in der Auspressung bekannter Dissidenten – also Menschen, die nicht der anglikanischen Staatskirche zugehörten – haben, die also in der Nacht des Guy-Fawkes-Day vor die Wahl gestellt wurden, etwas herzugeben oder übel zugerichtet zu werden.

Wahrscheinlicher ist aber, dass der ausufernde Halloween-Vandalismus in den Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts zur Idee führte, durch das geordnete, gemeinsame Sammeln von kleinen Zuwendungen die Energie der Kinder und Jugendlichen zu bündeln. Nach einer Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg wurde der organisierte Halloween-Zug der Kinder in der Nachkriegszeit schließlich zum durchschlagenden Erfolg in den USA.

Die Hexen und andere Zauberwesen kamen übrigens erst in der Publizistik des 19. Jahrhunderts zu Halloween dazu, als man interessante Postkarten- und Illustrationsmotive suchte.

Barron erzählt auch, woher die Idee kommt, Halloween in die Nähe des Heidentums zu rücken: Aus dem Konflikt zwischen protestantischen und katholischen Gläubigen in England und später den USA. Wie er schreibt:

The Protestant reformers were concerned about the practices of medieval Christianity that to them seemed contrary to what they believed the Church should be. They knew that these practices had clear precedents in the history of the Church, but insisted that they represented a corruption of the original form of Christianity that had become degraded over time. The degradation was explained as a regression into cultural forms that the Protestants described as pagan.

Ausschweifende Bräuche waren rund um das aus protestantischem Verständnis her sinnlose Fest Allerheiligen natürlich suspekt – man erklärte die Wurzeln des Fests daher für heidnisch, um im Umkehrschluss zu zeigen, dass sich ein braver Christenmensch daran nicht beteiligen sollte. Mit dem letzten Teil sind sie freilich nicht sehr erfolgreich gewesen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s