Venezuela: Der Präsident lässt ein wenig plündern


Wenn eine Regierung Plünderungen von Geschäften anordnet, dann ist vom Rechtsstaat tatsächlich nichts mehr über. So geschehen nun in Venezuela, wo Präsident Nicolás Maduro mit Waffengewalt Zwangsabverkäufe bei einem Elektronikhändler (!) erzwungen hat. „Essentielle Güter“ wie Flachbildschirme etc. mussten weit unter Wert abgegeben werden, wie Reuters berichtet. Es kam auch zur, sagen wir einmal: Mitnahme ohne Bezahlung.

Wer wird unter diesen Voraussetzungen bereit sein, solche Güter zu importieren und zu verkaufen, wenn er jederzeit willkürlich enteignet werden kann? Das Schicksal der Elektronikkette Daka wird ein Warnsignal sein. Ein kurzfristiges Wahlzuckerl für bevorstehende Kommunalwahlen wird über längere Frist die ohnehin mangelhafte Versorgung der Bevölkerung weiter verschlechtern.

Dass der venezolanische Staat selbst nicht in der Lage ist, Betriebe wirtschaftlich zu führen, ist angesichts der desolaten Erdölindustrie mehr als deutlich. Dass Chávez und sein Nachfolger Maduro alles daransetzen, auch das restliche Land so zu ruinieren, dass die Bevölkerung in Armut gefangen bleibt, ist dabei insofern ironisch, als sie es ja immer unter dem Jubel eines Teils dieser Bevölkerung tun und sich mit ihren populistischen Attacken gegen privates Unternehmertum Wählerstimmen kaufen. Freilich haben sie viele Probleme mit Geld aus den Erdöleinnahmen überdeckt.

Es gehört zum ökonomischen 1×1, dass Preiskontrollen über längere Zeit nur zu Knappheit führen, ein willkürlich agierender Staatsapparat die Korruption geradezu herausfordert, Rechtsunsicherheit und ein Versagen der Institutionen jedes Investieren lähmt.

Wenn der inoffizielle Dollarkurs ein vielfaches des offiziellen beträgt, funktioniert der Außenhandel zudem nur mehr am Schwarzmarkt. Das ist ja auch das Problem des geplünderten Elektronikhändlers gewesen. Er muss seine Ware in Dollar bezahlen, die er zum offiziellen Kurs kaum bekommt. Daher musste er seine Preise entsprechend kalkulieren; legt man aber den offiziellen Phantasiekurs zugrunde, wirken die Preise sehr hoch. Dafür tun sich andere interessante Arbitragemöglichkeiten auf: So kaufen Venezolaner Flugtickets, ohne wirklich fliegen zu wollen; dann dürfen sie nämlich zum offiziellen Kurs von 6,3 venezolanische Bolivars in Dollars eintauschen, um sie hernach am Schwarzmarkt zu 45-60 Bolivars je Dollar zurückzutauschen. Der Rebbach aus diesem Geschäft rechtfertigt den Ticketkauf.

Parallelen zu den Dreißiger Jahren

Die Geschichte Venezuelas stimmt traurig, weil der angerichtete Schaden wahrscheinlich eine ganze Generation ihrer Zukunft beraubt. Sie zeigt nebenbei auch, wie wohl das Endspiel einer NS-Wirtschaftspolitik ausgesehen hätte, wenn es keinen Krieg gegeben hätte.

Die deutsche Wirtschaft wurde ja im Laufe der Dreißiger Jahre immer stärker zentral gelenkt, selbst die Wirtshausmenüs wurden reguliert. Solange man dank Weltwirtschaftkrise brache Ressourcen mobilisieren konnte, ging das eine zeitlang gut. Doch auch Deutschland musste bereits vor dem Weltkrieg auf Devisen- und Preiskontrollen zurückgreifen. Mit Einnahmen aus Arisierungen und Enteignungen von Regimegegnern hätte man wohl auch bei Frieden die restliche Bevölkerung noch ein wenig bei der Stange halten können. Dann hätte man wohl zu den Verschwörungstheorien greifen müssen, die auch Maduro bemüht.

Was ich damit sagen will: Vor solch abenteuerlich-katastrophalen Politikabenteuern sind auch wir Europäer nicht gefeit. Sie sind keine lateinamerikanische Spezialität. Gerade in Zeiten einer langanhaltenden Krise haben solche selbsterklärten Volkstribunen Hochkonjunktur. Da heißt es achtsam sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s