Lehrer im Kindergarten?


Die diesmaligen Regierungsverhandlungen in Österreich sind die merkwürdigsten, die ich bis jetzt erlebt habe. Wahrlich merk-würdig. Beispielhaft ist folgendes: Während verschiedenste Zahlen eines sogenannten „Budgetlochs“ kursieren und deswegen z.B. die seit 12 Jahren ausstehende Valorisierung der Familienbeihilfe weiter aufgeschoben wird,  wurde bekannt, dass zukünftig in den Kindergärten auch Volksschullehrer unterrichten sollen. So berichtet die „Presse“:

Konkret sollen Volksschullehrer drei Stunden pro Woche in den Kindergärten verbringen und sich mit den Fünfjährigen – also mit den Schulanfängern – beschäftigen. Mit klassischem Unterricht soll das aber nichts zu tun haben. Es soll lediglich Grundlegendes vermittelt werden, und zwar auf eine durchaus spielerische Art. Durch dieses neue Konzept sollen unter anderem die sprachlichen Kompetenzen der Kinder gefördert werden.

Wer keine Ahnung hat, wie es in Kindergärten zugeht, wird das vielleicht für eine gute Idee halten. Tatsächlich bringen aber Kindergartenpädagogen bereits jetzt den Kindern im letzten Kindergartenjahr – und auch davor – viele Fertigkeiten spielerisch bei, fördern ihre sprachlichen Kompetenzen usw. Ja, es hängt vom Kindergarten und den Pädagogen ab, wie intensiv sie das gestalten; doch viele Kindergärten wenden dafür bereits jetzt deutlich mehr als drei Stunden in der Woche auf.

Wo man angesichts dräuenden Lehrermangels und bei gleichzeitig verlängerter Lehrerausbildung die Volksschullehrer hernehmen will, die das leisten sollen, und wie man das ganze finanziert, ist eine offene Frage. Warum man den österreichischen Kindergartenpädagogen, von denen viele hervorragende Arbeit leisten, derart misstraut, ist mir schleierhaft. Die Grüne Familiensprecherin Daniela Musiol bringt es auf den Punkt: „Die Idee von SPÖ und ÖVP künftig Volksschullehrer zur Frühförderung einsetzen zu wollen ist eine unüberbietbare Geringschätzung der täglichen Arbeit von Kindergartenpädagogen. Es ist ein weiterer Beweis der veralteten Sichtweise von ÖVP und SPÖ: Bildung passiert ab der Schule und wird ausschließlich von Lehrern vermittelt.“ Und ihr FPÖ-Kollege Walter Rosenkranz bringt die Absurdität ebenfalls deutlich zum Ausdruck: „Durch die Akademisierung der Volksschullehrer im Zuge der Lehrerbildung NEU ist schon eineklatanter Mangel an Volksschullehrern geschaffen worden. Als Ergebnis will man nun noch Volksschullehrer in die Kindergärten schicken und den Mangel weiter verschärfen. […] So etwas kann man nicht mehr ernst nehmen – offensichtlich geht es hierbei nur mehr darum, es mit einem Sager in die Medien zu schaffen und der Inhalt spielt überhaupt keine Rolle mehr.“

Ich sage einmal so: Wenn Grüne und FPÖ beide mit Sachargumenten (!) zum selben Ergebnis (!!) kommen, dann sollte das SPÖ und ÖVP schon zu denken geben. Offenbar gibt es da keinen Blickwinkel, aus dem das sonderlich intelligent klingt.

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