Maleachi und die Sonne der Gerechtigkeit


Das Ende des Kirchenjahres naht mit Riesenschritten. Zum 33. Sonntag im Jahreskreis wird diesmal die kleine Apokalypse des Lukas gelesen, in der vom Untergang des Tempels und kommenden Christenverfolgungen die Rede ist. Für manche ist das ein Grund, die Abfassung der Evangelien nach der Zerstörung des Tempels und der neronischen Verfolgung anzunehmen. Andere verweisen auf die Prävalenz apokalyptischer Texte dieser Art im 1. Jahrhundert; angesichts der Kreuzigung Jesu und der Steinigung des Stephanus, der mehrmaligen Gefangennahme des Paulus etc. sei eine Verfolgungsrede auch nicht verwunderlich; der Text bedeute für das Verfassungsdatum gar nichts. Wieder andere verweisen darauf, dass ein Christ die Möglichkeit doch nicht verwerfen sollte, dass die Evangelisten hier tatsächlich prophetische Rede überliefern, die sich ja auch erfüllt hat.

Im kurzen Buch Maleachi findet sich ebenfalls eine Rede von einer Zeit, die eine Erfüllung eines längeren Geschehens darstellt. Zwei Verse werden in der ersten Lesung zitiert:

Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen: / Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, / spricht der Herr der Heere. / Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben. / Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, / wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen / und ihre Flügel bringen Heilung. [Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, / wie Kälber, die aus dem Stall kommen.]
– Mal 4,1-2

Was für eine kräftige Sprache, die in vielen Stellen des Neuen Testaments Widerhall findet! Die Sonne der Gerechtigkeit ist heilbringendes Licht für die einen, versengende Hitze für die anderen, deren Untaten eben nicht ins Licht der Sonne gerückt werden sollten. In Zeiten der Bedrängnis waren diese Worte – und wohl die ganze Schrift Maleachis – Hilfe und Stütze für Gläubige. Hippolyt von Rom bringt die Flügel der Sonne der Gerechtigkeit mit den ausgestreckten Armen Christi am Kreuz in Verbindung, der in der Zeit der Verfolgung die Gläubigen beschützt. Cyprian von Karthago ruft zur Geduld auf, die durch das Gericht belohnt wird. Auch heute kann der in Maleachi geschilderte Zorn über Missstände und Unrecht geteilt werden, auch heute sind die Mahnungen wertvoll; auch heute erleben wir auf der Welt zigfach die Verfolgung von Christen, wie sie wiederum im Lukasevangelium geschildert wird. Und so gibt auch heute Maleachi Hoffnung, dass die Sonne der Gerechtigkeit die Wolkendecke menschlicher Finsternis durchbricht.

Mehr zum Buch Maleachi oder Malachias kann man hier in der Jewish Encyclopedia (1906) nachlesen.

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