Lehrer: Das Schmerzensgeld ist nicht hoch genug


Wenn jemand überlegt, ob er Lehrer werden soll, braucht er gar nicht das neue Dienstrecht studieren. Einfacher ist ein Blick in die Gazetten, in die Aussagen der politischen Parteien und diverse Foren und soziale Netzwerke. Dort wird in der Regel einerseits davon schwadroniert, dass man die „besten Lehrer“ brauche, doch andererseits wird deutlich, dass das Ansehen der praktizierenden Lehrer irgendwo zwischen Kinderschändern und den früheren Vorständen der Hypo-Alpe-Adria angesiedelt ist. Dafür ist das Schmerzengeld nicht hoch genug.

Zudem wird zunehmend die eierlegende Wollmilchsau verlangt. Wenn Schüler etwas nicht können, so sind die Lehrer schuld, die sie nicht für das Fach ausreichend motiviert haben. Die Eltern sollen die Kinder in der Früh abgeben können und abends mit Wissen vollgestopfte Zöglinge wieder abholen können. Soziale Konflikte sollen in der Schule gelöst werden, Umweltbewußtsein geschaffen, politisches Interesse geweckt, dem jeweiligen ministeriellen Zeitgeist angepasste Staatsbürger geformt werden. Niemand soll zurückgelassen werden, jede Begabung gefördert, und Geld soll es auch keines kosten.

Eric Frey spricht im „Standard“ in einer haarsträubenden Argumentationen den öffentlich Bediensteten überhaupt das Recht auf Arbeitskampf ab. Dabei haben sie ja den stärksten Arbeitgeber, der die Arbeitsbedingungen mit einem Federstrich einseitig per Gesetz abändern kann.

Natürlich weiß die Politik die üblichen Neidreflexe gegen den öffentlichen Dienst auf ihrer Seite. Lehrer, deren Beruf so attraktiv ist, dass ein veritabler Lehrermangel bevorsteht, sind wegen der langen Schulferien zudem ein leicht zu treffendes Ziel. Trotzdem interessant, dass sich keine Partei auf die Seite der tausenden Bediensteten im Lehrberuf stellt. Offenbar hat jeder Angst, mit dieser Wählergruppe in Verbindung gebracht zu werden. Es sollten sich daher die Lehrer und Lehrervertreter gut überlegen, ob sie nicht entsprechend endlich ihre Parteitreue beenden.

Die ÖVP-Mandatarin und Arbeiterkammerrätin Gaby Tamandl ist besonders hervorzuheben, da sie als einzige Parlamentarierin der Regierungsfraktionen nicht automatisch für das Paket in seiner bisherigen Form stimmen will, weil auch die Arbeitnehmervertreter gute Argumente gehabt hätten. Die übrigen Gewerkschafter und Personalvertreter sind ja seltsam still.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s