Advent: Kinder des Friedens


Nun werden wir wieder in das Geschehen des Advent hineingenommen, das sehnsüchtige Warten der Menschen auf einen Retter. Eine durchaus aktuelle Sehnsucht, wie die diversen vorgeblichen politischen Heilsbringer der Gegenwart beweisen, die von Barack Obama über Hugo Chávez bis zu Thaksin Shinawatra reichen. Schon der jüdische Prophet Jesaja stellt aber klar, dass das wirkliche Heil für die Menschen nicht durch Menschen selbst erreicht werden kann. So heißt es in der 1. Lesung zum 1. Adventsonntag dieses Lesejahrs:

Das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, in einer Vision über Juda und Jerusalem gehört hat. Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker. Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort. Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg. Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Diese Vision des Friedens, der Gerechtigkeit und Versöhnung kann aus menschlicher Kraft allein nicht Wirklichkeit werden. Dazu braucht es das Wirken Gottes. Frühchristliche Autoren haben übrigens dieses Jesajazitat durchaus auch auf ihre Gegenwart bezogen und nicht bloß als Endzeitprophetie verstanden. So meint der Kirchenlehrer Justin der Märtyrer in seiner Ersten Apologie:

Und daß das eingetroffen ist, davon könnt ihr euch überzeugen; denn von Jerusalem gingen Männer aus in die Welt, zwölf an der Zahl, ganz ungebildet und der Rede nicht mächtig; aber durch die Kraft Gottes haben sie dem ganzen Menschengeschlechte gezeigt, daß sie von Christus gesandt waren, allen das Wort Gottes zu predigen. Und wir, die wir einst einander mordeten, enthalten uns jetzt nicht nur jeder Feindseligkeit gegen unsere Gegner, sondern wir gehen, um nicht zu lügen und die Untersuchungsrichter nicht zu täuschen, auch freudig für das Bekenntnis Christi in den Tod. Wir könnten ja in einem solchen Falle nach dem Spruche verfahren: „Die Zunge schwur, doch unvereidigt ist das Herz“; allein es wäre zum Lachen; denn wenn schon die von euch verpflichteten und in Dienst genommenen Soldaten das euch geleistete Gelöbnis höher achten als ihr Leben, ihre Eltern, ihre Heimat und alle ihre Angehörigen, obschon ihr ihnen nichts Unvergängliches bieten könnt, um wie viel mehr müssen wir, die nach Unvergänglichem trachten, alles auf uns nehmen, um das Ersehnte von dem zu erhalten, der die Macht hat, es zu geben?

Jesajas Prophetie ist für ihn also auch konkreter Auftrag. Auch der Kirchenlehrer Athanasius sieht darin einen Auftrag der Christen und sieht eine Ausbreitung des Friedens als Wirken christlichen Glaubens. Denn sie und andere waren überzeugt, dass mit der Ankunft Christi die Weissagung begonnen hat, wahr zu werden. Zum Abschluss sei dazu aus der Schrift „Gegen Celsus“ des Origenes zitiert, die ausführlich die Gegenwartsbedeutung der Jesaja-Stelle hervorstreicht:

„Wir kommen“ also „in den letzten Tagen“, nachdem unser Jesus sichtbar unter uns erschienen ist, „zu dem hellstrahlenden Berge des Herrn“, zum Worte, das aber jedes Wort erhaben ist, und zum „Hause Gottes“, „welches da ist die Gemeinde des lebendigen Gottes, Säule und Pfeiler der Wahrheit“. Und wir sehen, auf welche Weise dieses Haus „auf den Spitzen der Berge“ erbaut wird, nämlich auf allen den prophetischen Worten, die seine Grundlage sind. Erhöht wird aber dieses „Haus über den Hügeln“, d.h. über denjenigen, die bei den Menschen etwas besonderes in Weisheit und Wahrheit zu verkündigen scheinen. Und wir, „alle Völker“, kommen zu ihm, und wir, „die vielen Völker“, brechen auf und ermahnen einander, die „in den letzten Tagen“ durch Jesus Christus herrlich offenbarte Gottesverehrung anzunehmen, und rufen uns gegenseitig zu: „Kommet, lasset uns hinaufsteigen zu dem Berge des Herrn und zu dem Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seinen Weg, und dass wir wandeln auf ihm“. Denn von denen in „Sion“ ist „das Gesetz“ ausgegangen und hat als geistiges Gesetz bei uns seine Stätte erhalten. Aber auch „das Wort des Herrn“ ist von jenem „Jerusalem“ ausgegangen, damit es sich nach allen Seiten hin verbreite und „unter den Völkern“ eine Entscheidung treffe, indem es diejenigen auswählt, die offenbar für Belehrung empfänglich sind, das ungehorsame „Volk“ aber, das „zahlreich“ ist, straft.

Auf „die Frage“ aber, „woher wir kommen, oder wen wir als Stifter haben“ geben wir zur Antwort: Wir sind gekommen nach den Weisungen Jesu, um die geistigen „Schwerter“, mit denen wir unsere Meinungen verfochten und unsere Gegner angriffen, zusammenzuschlagen „zu Pflugscharen“, und „die Speere“, deren wir uns früher im Kampfe bedienten, umzuwandeln zu „Sicheln“. Denn wir ergreifen nicht mehr „das Schwert gegen ein Volk“, und wir lernen nicht mehr „die Kriegskunst“, da wir Kinder des Friedens geworden sind durch Jesus, der unser „Führer“ ist. Denn anstatt „der väterlichen Gesetze“, bei denen wir „fremd den Bündnissen waren“, haben wir ein „Gesetz“ empfangen, wofür wir dem, der uns von dem Irrtum befreit hat, Dank sagen, indem wir sprechen: „Wie trügerisch sind die Götzenbilder, die unsere Väter erwarben; und keines ist unter ihnen, das regnen läßt“. Unser „Chorführer und Lehrer“ ist also von den Juden ausgegangen, leitet aber mit dem Worte seiner Lehre den ganzen Erdkreis.

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