Nelson Mandela


Der Tod von Nelson Mandela kommt nicht überraschend. Er war ein hochbetagter Mann; musste sich in letzter Zeit oft Spitalsbehandlungen unterziehen. Und doch ist sein Ableben eine große Zäsur, und für ihn selbst wohl auch eine Gnade.

Mandela stammte aus der Oberschicht der Xhosa, hatte Jus studiert, war als Anwalt tätig. Er war jugendlicher Rebell und Revolutionär, doch er im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Figuren, die aus privilegierter Schicht stammend sich als Kämpfer der Volksmassen geben, reifte er. In den Sechziger Jahren verfocht er den bewaffneten Kampf. In Neunziger Jahren setzte er auf Versöhnung, hatte den Rassismus des Afrikanismus weit hinter sich gelassen und war gemeinsam mit Frederik de Klerk der wesentliche Faktor für das friedliche Ende der Apartheid-Ära. Im Gegensatz zu den Rezepten, die durch den Internationalen Strafgerichtshof repräsentiert werden, wurden nicht alle politischen Verbrechen der letzten Jahrzehnte rigoros gerichtlich verhandelt, und trotzdem nicht alles vertuscht, sondern versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. In vielen Fällen wurde reuigen Tätern eine Amnestie gewährt. Die Schatten der Vergangenheit sollten nicht den Weg des neuen Südafrika verdunkeln. Dieser Weg der Versöhnung ist das besondere Erbe des selbst jahrelang inhaftierten.

Allerdings haben seine Nachfolger die Chancen dieses neuen, bunten Südafrika verspielt. Der ANC hat ein umfangreiches Patronage-System aufgezogen und hält das Land im Würgegriff. Die Wirtschaft ist in einem miserablen Zustand, Gesundheitswesen und Bildungseinrichtungen verfallen, die Korruption blüht, wer gebildet ist, wandert besser aus. Mandela war selbst nicht unschuldig daran, hat doch die Toleranz für die Bereicherung der eigenen Person in seiner Präsidentschaft begonnen. Doch konnte er ahnen, was ein Jacob Zuma tun würde? Man könnte ja glauben, Zuma wollte das Land vorsätzlich ruinieren. Das Mandela diesen möglichen Ruin nicht mehr erleben muss: Das ist die Gnade, die ihm sein Tod bringt.

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