Maria, die neue Eva


Wie der 15. August zeigt auch der 8. Dezember, wie Maria uns vorlebt, was Gott den Menschen für Gnaden schenken will. Sie war frei von der Erbsünde. Uns wird durch die Taufe die Schuld der Erbsünde erlassen. Der Engel des Herrn kam zu ihr, und sie nahm den Willen Gottes an. So sollen auch wir Gottes Willen annehmen. Sie wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Uns ist das ebenfalls verheißen.

Freilich, das Konzept der Erbsünde, das zum heutigen Fest dazuhört, bereitet vielen Probleme. Es klingt, wörtlich verstanden, nach Sippenhaftung. Doch es ist etwas anderes: Die Anerkennung eines grundsätzlichen Wesenszug des Menschen: Der Fähigkeit zum Bösen, zur Sünde, zur Selbsterhebung. Die Geschichte von Adam und Eva erwähnt nicht umsonst den „Baum der Erkenntnis“, der Scheidung von Gut und Böse. Adam und Eva erkennen, was Gut und Böse ist, können erst dadurch Böses tun. Und beginnen gleich damit, sich gegenseitig vor Gott zu vernadern, wie man in Österreich sagt: Nein, ich bin doch unschuldig, jemand anderer war’s.

Im Katechismus heißt es dazu in Nr. 404:

Wieso ist die Sünde Adams zur Sünde aller seiner Nachkommen geworden? Das ganze Menschengeschlecht ist in Adam ,,wie der eine Leib eines einzelnen Menschen“ (Thomas v. A., mal. 4,1). Wegen dieser ,,Einheit des Menschengeschlechtes“ sind alle Menschen in die Sünde Adams verstrickt, so wie alle in die Gerechtigkeit Christi einbezogen sind. […]. Indem Adam und Eva dem Versucher nachgeben, begehen sie eine persönliche Sünde, aber diese Sünde trifft die Menschennatur, die sie in der Folge im gefallenen Zustand weitergeben [Vgl. K. v. Trient: DS 1511-1512.]. Sie ist eine Sünde, die durch Fortpflanzung an die ganze Menschheit weitergegeben wird, nämlich durch die Weitergabe einer menschlichen Natur, die der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit ermangelt. Deswegen ist die Erbsünde ,,Sünde“ in einem übertragenen Sinn: Sie ist eine Sünde, die man ,,miterhalten“, nicht aber begangen hat, ein Zustand, keine Tat.

Maria ist nun, um im Gleichnis von Gen 3 weiterzusprechen, gleichsam wieder in den Zustand der Eva vor dem Sündenfall versetzt. Daher sind Vergleiche Mariens mit Eva bereits im frühen Christentum gang und gäbe, so etwa durch Ephräm den Syrer:

Eva und Adam brachten durch Sünden den Tod in die Welt; ihr (der Welt) Herr aber gibt uns durch sie aus Maria neues Leben. Der Böse entleerte sein Gift durch die Schlange in Evas Ohr; der Gute aber neigte seine Erbarmung herab und ging durch das Ohr Marias hinein. Durch das nämliche Tor, durch welches der Tod eindrang, trat auch das Leben ein, das den Tod tötete. Ihn, den die Cherubim tragen, trugen Marias Arme. Gott, den das All nicht umfasst, den war Maria zu tragen im Stande.

Und diese Potentialität, eine „neue Eva“ zu sein, trug Maria vom Beginn ihrer Existenz in sich. Auch das wieder ein Hinweis darauf, dass Gott vom Beginn unserer Existenz mit uns rechnet.

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