Warum Nordkorea Atomwaffen braucht …


Realpolitik, das ist der verlässliche Mitarbeiter im Betrieb, für dessen Manieren man sich eigentlich geniert, den man aber einsetzen muss, wenn wieder eine Notsituation gerettet werden soll. Sie ist die Kunst des Möglichen, die immer dann besonders wichtig wird, wenn die eigenen Ziele und Ansprüche am Unmöglichen scheitern. Zur Realpolitik gehört auch jener lesenswerte Artikel von Robert D. Kaplan und Rodger Baker von Stratfor, warum Nordkorea völlig nachvollziehbar eine Arsenal von Atomwaffen aufgebaut hat, und es keinen Anreiz gibt, daran auch nur irgendetwas zu ändern. Muammar Gaddafi hat für die Aufgabe seines Programms von Massenvernichtungswaffen bitter bezahlt; Nordkorea wird diesen Fehler nicht machen.

Gerade die „moralische Außenpolitik“, derer sich manche Länder von Zeit zu Zeit, freilich nie stringend, befleißigen, macht sie besonders unberechenbar und hat Gewaltherrschern jeden Ausweg aus dem Terror versperrt. Wie Kaplan und Baker am Beispiel Nordkorea schreiben:

Washington policymakers might reply that if North Korea would truly negotiate in good faith, they could offer its regime guarantees for its survival. Nonsense. There are no such guarantees in an age of humanitarian military intervention and an international criminal court that thrive on account of a sympathetic global media. If unrest surfaces in North Korea, the West would simply be more hesitant about aiding dissenters if Pyongyang kept its nuclear program than if it didn’t. And even that might be giving Washington policymakers too much credit. For, as Libya showed, the White House is not completely in control. It may intend to keep its promises to this dictator or that one, but once humanitarians demand action by way of a media drumbeat, the most realist-oriented officialdom can start to cave in. […] There is simply no escape path for someone like Kim Jong Un anymore, and even less for the other members of his regime, particularly those from earlier years when the North still engaged in international acts of terrorism. Keeping his nukes is admittedly no guarantee, but it will likely help them more than false promises from the West. […]

Der heute so oft geforderte Grundsatz der „Gerechtigkeit für die Opfer von [setze Namen einer Diktatur ein]“ fordert oft noch mehr Opfer, und bringt auch keine Gerechtigkeit. Die übrigens Gerichte weder herstellen noch herstellen können. Nelson Mandela ist ein Beispiel dafür, wie man realpolitisch sinnvoll und gleichzeitg nicht amoralisch mit einer dunklen Vergangenheit umgeht. Anderes Beispiel: Dass die meisten Täter der Ostblock-Regime ungeschoren davongekommen sind, mag bitter sein, hat aber tiefe, wundende Gräben in diesen Gesellschaften verhindert und die rasche Integration weiter Teile der alten Nomenklatur ermöglicht. Diese pragmatische, realpolitische Zugang hat einen schlechten Ruf, aber eine gute Bilanz vorzuweisen.

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