Impromptus


Seltsame Welt: „General Motors ernennt Frau zur Firmenchefin“, schreibt der ORF. Wen den sonst? Kann man einen Mann zur Firmenchefin ernennen? Und ist das Geschlecht die einzig nachrichtenwürdige Eigenschaft eines Menschen?


Journalisten werden von mir fast immer nur erwähnt, wenn ich sie kritisiere. Ungerecht. Daher will ich heute auf einen Kommentar von Anne-Catherine Simon hinweisen, in dem sie auf etwas aufmerksam macht, was in anderem Kontext die „Politisierung der Wissenschaft“ genannt wird. Unter der Überschrift „Zu katholisch? Die Papageien von Wikipedia“ schildert sie, wie die hochdekorierte Ethikern Margaret Somerville im Herbst ihres Lebens von Konferenzen ausgeladen werde, weil sie katholisch und daher befangen sei. Es geht freilich nicht um ihre Argumente, die säkular geführt werden, sondern allein darum, sie wegen ihrer weltanschaulichen Grundierung zu diskriminieren. Simon schließt mit einem wichtigen Absatz: „Psychologen können leicht zeigen, dass unser aller Denken „deformiert“ durch Vorlieben und Vorurteile ist. Wenn man also nicht gläubig sein darf, um ernst genommen zu werden, wird es am Ende keine Debatte mehr geben – weil keiner mehr übrig ist, der sie führen darf.“


Das erinnert an den in der akademischen Welt um sich greifenden „Israel-Boykott“. Menschen werden wegen ihrer Nationalität oder Herkunft geschnitten, wobei die Kritieren dafür einem Gleichbehandlungskriterium in keiner Weise standhalten. US-Ökonom Tyler Cowen hat auf einen entsprechenden Beschluss des amerikanischen „National Council of the American Studies Association“ die richtige, sarkastische Antwort: „Und doch habe ich eine bessere Idee. Wenn man Einrichtungen in Israel boykottiert, sollte man dann nicht auch die von starken, mächtigen Nationen boykottieren, die viel dessen unterstützt haben, was Israel getan hat, besonders starke, mächtige Nationalen, die viel Land von den ursprünglichen Einwohnern gestohlen haben, sich weigern es zurückzugeben, kürzlich Folter praktiziert haben, aggressive militärische Interventionen, und die Ermordung unschuldiger Zivilisten, und die den Großteil der Welt ausspionieren, meistens ohne Entschuldigung? Richtig, sie sollten überlegen, die Vereinigten Staaten zu boykottieren, angefangen mit ihren höchsteigenen Namen, der nun “Council of the Studies Association” lauten sollte. Zynische Befürworter der „Selbstdeportation“ (Ich bin keiner von ihnen) könnten einen allgemeineren Boykott des Landes bezülich der Wahl ihrer Wohnsitze und Beschäftigung vorschlagen, aber mir würde es genügen, würde die Gruppe alle akademischen Konferenzen in Amerika boykottieren.“

Leider werden diese „Akademiker“, die von Diskurs, Toleranz und der Annahme eines Menschen als Individuum anscheinend nicht viel halten, den anderen diese Freude nicht machen.

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