Time: Sie verstehen den Papst einfach nicht.


Es ist eine langjährige Tradition, dass das „Time“-Magazin eine Persönlichkeit als „Mann des Jahres“ auswählt: Jemanden, der dem Jahr seinen Stempel im Guten oder im Schlechten aufgedrückt hat. Natürlich ist das bloß die subjektive Meinung einer Nachrichtenredaktion, gibt aber doch irgendwie eine Stimmungslage wieder.

Heuer fiel die Wahl also auf Papst Franziskus; nach Johannes XXIII. und Johannes Paul II. der dritte Papst, der diese Bezeichnung erhalten hat. Entsprechend wird Papst Franziskus in einem auslandenden Artikel als „Volkspapst“ gewürdigt, der die Kirche barmherziger und sozialer machen würde. Ein durchaus interessanter, lebendiger Text.

Wie schon Daniel McInerny auf Aleteia.org geschrieben hat: Die richtige Wahl, aber aus den falschen Gründen. Robert Barron schlägt in die gleiche Kerbe, erinnert daran, dass Papst Franziskus selbst vor einer Kirche gewarnt hat, die einfach eine weitere karitative Nicht-Regierungs-Organisation ist. Als Ursache für die mediale Sicht der Kirche bloß in ihrer sozialen Dimension sieht er eine seit der Aufklärung beliebte Reduktion des Glaubens auf praktische Ethik; Liturgie und Lehre würden nur der Instruktion dieser Ethik dienen.

Doch die Hinwendung zu Gott in der Liturgie, die Lehre, die die Wahrheit zu ergründen und weiterzugeben versucht, und die Hinwendung zum Nächsten sind jeder selbst von Bedeutung, tragen gemeinsam den Glauben. Liturgie ohne Lehre und Nächstenliebe ist Geschwätz. Lehre ohne Liturgie und Nächstenliebe ist leer, ohne Anwendung. Nächstenliebe ohne Liturgie und Lehre fehlt die Quelle, der Antrieb, der Grund.

Der Stil von Papst Franziskus und Papst Benedikt XVI. ist tatsächlich unterschiedlich, und viele Sach- und Personalentscheidungen hätten sie wohl verschieden getroffen. Doch der Versuch der Medien, die beiden als Widerspruch zueinander zu beschreiben, zeigt vor allem, dass sie entweder die Worte der Personen, über die sie da berichten, nicht hören und lesen, oder sie nicht verstehen. Wie man auf Amerikanisch sagen würde: „They don’t get the pope.“ Dabei ist es in Zeiten den Internets dank @pontifex, news.va und vatican.va leichter als jemals zuvor.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s