Des Libanon Herrlichkeit wird ihr gegeben


Der dritte Adventsonntag steht unter einem besonderen Motto: „Gaudete in Domino semper: iterum dico gaudete. […] Dominus prope est.“ Paramente in rosa, heutzutage auch eine rosafarbene Kerze am Adventkranz verkünden die Freude, die von Weihnachten her schon in die Zeit des Wartens hineinleuchtet. „Freut euch allezeit im Herrn! Noch einmal sage ich: Freut euch! […] Der Herr ist nahe.“

Diese vorleuchtende Freude kommt im Jesaja-Text dieses Sonntags besonders zum Ausdruck:

Es jauchze die Wüste und die Ödnis! Es jauchze die Steppe! Sie blühe wie eine Lilie. Sie blühe in voller Blüte, ja, frohlocken soll sie jauchzend und jubelnd! Des Libanon Herrlichkeit wird ihr gegeben, die Pracht des Karmels und der Ebene Scharon. Schauen werden sie die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unseres Gottes. Darum stärkt die schlaffen Hände und festigt die wankenden Knie! Sagt den Verzagten: „Seid stark! Fürchtet euch nicht! Seht da, euer Gott! Die Rache kommt, Gottes Vergeltung. Er selbst wird kommen, euch zu erlösen.“ Dann werden sich öffnen die Augen der Blinden, sich auftun die Ohren der Tauben. Wie ein Hirsch wird dann springen der Lahme, die Zunge des Stummen wird jauchzen. (Denn in der Wüste brechen Wasser hervor und in der Steppe Bäche. Zum Teich wird der durstige Boden, zu Wasserquellen das lechzende Land. Wo Schakale hausten in ihrem Lager, wird Gras neben Rohr und Schilf ersprossen. Ein Straßendamm wird dort entstehen und ein Weg; „Heilige Straße“ wird man ihn nennen. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur ihnen wird er gehören. Selbst Unkundige werden auf ihm nicht irr gehen. Keine Löwen wird es dort geben, kein reißendes Tier wird ihn betreten. Nichts dergleichen wird sich dort finden. Nur die Erlösten dürfen dort wandeln.) Die vom Herrn Losgekauften werden heimkehren auf ihm und mit Jauchzen nach Zion kommen. Ihr Haupt wird ewige Freude umstrahlen. Frohlocken und Freude geleiten sie. Kummer und Seufzen entfliehen.
— zitiert nach nach der Übersetzung von Eugen Henne OFMCap und Osmund Gräff OFMCap in der Volksbibel 2000.
Der eingeklammerte Text ist nicht Teil der Lesung.

Jesaja beschreibt eine Vision göttlicher Fülle und Gerechtigkeit in einer düsteren Zeit, in der die Juden unter den Fehlentscheidungen ihrer eigenen Politiker und den Spielen der Supermächte ihrer Zeit schwer zu leiden hatten. Jesaja ruft seinen Landsleuten zu: Gott wird euch erlösen. Es ist keine Frage des Ob, nur des Wann.

Viele hatten sicher schon das Gefühl, dass mit der Rückkehr der Juden aus dem Gelobten Land die Verheißung Wahrheit geworden war. Und sicher hat diese Interpretation etwas für sich. Doch im Kontext ist diese Vision Jesajas eine Endzeitvision, ähnlich der Offenbarung des Johannes. Eine frohe Endzeitvision, bei der man zu recht denkt: Freut Euch! Und das Warten etwas leichter fällt.

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