Andrä Rupprechter und die Bigotterie


Die Aufregung um die Angelobungsformel des neuen Landwirtschafts- und Umweltministers Andrä Rupprechter – er hatte das heiligste Herz Jesu erwähnt – hat wieder einmal die Intoleranz und Bigotterie der chattering class gezeigt, die sich von Tweets des Falter-Journalisten Florian Klenk über mittelmäßig humorvolle Kurier-Karikaturen bis hin zu aufgeplusteter Empörung in Bargesprächen äußert. Man kann das blanke Unverständnis darüber, dass jemand überhaupt eine religiöse Überzeugung in der Öffentlichkeit äußert, am besten in einem seltsamen Ö1-Interview mitverfolgen, in dem Cornelia Vospernik anscheinend den katholischen Glauben Rupprechters für den größten Skandal und das bedeutendeste Thema hält, wenn es um einen Landwirtschaftsminister geht.

Verräterisch ist die Frage, ob sein Glaube einen Einfluss auf seine Politik haben werde. Es ist ja selbstredend, dass die Weltanschauung eines Politikers Einfluss auf seine Politik hat! Es ist sogar noch dramatischer: Es gibt keine Politik, die nicht von einer Weltanschauung geprägt ist.

Und damit kommen wir zum Kern der Sache: Man kann nämlich gar keine „weltanschauungsfreie“ Politik betreiben. Selbst die sogenannten Technokraten gehen von einer bestimmten Sicht der Welt aus, wie sie zusammenhängt, welche Aufgaben der Mensch darin hat, usw. usf. Daher geht es bei der Verdrängung der Religion aus der Öffentlichkeit auch nicht um weltanschauliche Neutralität, sondern die Verdrängung anderer Weltanschauung.

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