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Es gibt einen Anfang, der allen vorangeht


Der zweite Sonntag nach Weihnachten bringt noch einmal den Prolog des Johannesevangeliums, einen dichten und anspruchsvollen Text, der direkt am Schöpfungsbericht des Buches Genesis anknüpft. Der hl. Basilius von Caesarea unterstreicht das in einer Predigt, die vorwiegend falsche Gottesbilder abwehren will:

„Im Anfange war das Wort“ […] Wo Johannes uns die Lehre über den Sohn Gottes übermitteln will, da gab er seinen Worten keinen andern Anfang als den Anfang des Weltalls. […] Die Spitze des Anfangs kann man nicht fassen; was über den Anfang hinausliegt, kann man nicht finden.

Laß dich nicht täuschen durch die Vieldeutigkeit des Wortes! Es gibt ja in diesem Leben viele Dinge, die ihren eigenen Anfang haben. Aber es gibt einen Anfang, der allen vorangeht. Ein Spruch sagt: „Der Anfang eines guten Weges.“ Hier ist der Anfang die erste Bewegung, mit der wir die Reise beginnen und vor der das Rückwärtsliegende gefunden werden kann. Ferner: „Der Anfang der Weisheit ist die Furcht Gottes.“ Auch diesem „Anfange“ geht etwas anderes voraus; denn der Anfang zur Erlernung einer Kunst ist die Unterweisung in den Anfangsgründen. Der Anfangsgrund der Weisheit ist also die Furcht des Herrn; allein älter als dieser Anfang ist der Seelenzustand dessen, der in der Weisheit noch nicht unterrichtet ist und die Furcht Gottes noch nicht erlangt hat. „Spitzen“ [griechisch synonym mit Anfang] werden auch die Staatsgewalten, die höchsten Würden genannt. Allein diese Spitzen (Anfänge) sind nur Spitzen gewisser Teile und sind relativ. Der Anfang der Linie ist der Punkt; der Anfang der Fläche ist die Linie, der Anfang des Körpers die Fläche, und die Anfänge der geschriebenen Rede sind die Buchstaben.

Doch jener Anfang ist nicht derartig. Denn er ist an nichts angeschlossen, von nichts abhängig, wird mit nichts zusammen geschaut; er ist frei, unabhängig, nicht relativ, dem Verstande unerreichbar, über den keine Vernunft hinauskommt, über den hinaus man nichts finden kann. Denn versuchst du, mit der Vorstellung deines Verstandes über den Anfang hinauszukommen, so wirst du finden, daß er dir vorauseilt und deinen Gedanken schon entgegenkommt. Laß deinen Geist eilen, soweit er will, und sich zu den höchsten Regionen erheben, du wirst finden, daß er nach tausend Irrungen und vergeblichem Bemühen immer wieder zu sich zurückkehrt, weil er den Anfang nie hinter und unter sich sehen kann. Der Anfang steht eben immer jenseits des Gedachten und über dem Denken. […]

„Und das Wort war bei Gott.“ […] Wo war das Wort? An keinem Orte; denn was nicht umschrieben werden kann, findet sich an keinem Orte. Wo war es aber dann? „Bei Gott“. Weder ist der Vater an einem Orte noch der Sohn in einem Raume, noch können sie von einer bestimmten Grenzlinie umschlossen werden, sondern unendlich ist der Vater, unendlich ist der Sohn. Alles, was du denkst und wohin du mit deinem Geiste wanderst, alles wirst du von Gott erfüllt finden, und überall wirst du die mitallgegenwärtige Person des Sohnes finden. […]

Es gibt einen Anfang, der allen vorangeht, ein Ende, dem alles zustrebt, diese beiden umspannen die ganze Schöpfung, und sind eins. Basilius betont, wie diese Vorstellungen unseren Verstand übersteigen, die Grenzen unserer Vernunft übersteigt. Ein Phänomen, das auch in der Physik übrigens nicht unbekannt ist, sobald man sich die Theorien etwa über Entstehung, Zustand und Entwicklung unseres Universums tatsächlich vorzustellen versucht. Doch anders als in der Physik hat sich das Unvorstellbare klein gemacht, damit wir es begreifen können.

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