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Sterndeuter aus dem Morgenland


Über die Weisen aus dem Morgenland habe ich schon einmal geschrieben, mit dem Sukkus, dass Matthäus durchaus Angehörige der persischen Priesterschaft, der Mager, meinen könnte. Freilich könnte er auch, der Verwendung des Wortes in seiner Zeit folgend, tatsächlich Chaldäer oder andere gemeint haben. Doch gibt es da noch einen Einwand. Matthäus ist immer wieder bemüht, Verbindungen zum Alten Testament herauszufinden und herauszustellen. Und tatsächlich kommt das Wort „μάγοι“ auch im Alten Testament vor, und zwar im Buch Daniel.

In der Septuaginta, der jüdischen Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, werden die Mager dort im 2. Kapitel unter den Weisen am babylonischen Hof genannt. Daniel selbst wird später von König Nebukadnezar II. zum Vorsteher aller Weisen, Traumdeuter usw. am Hofe gemacht, vielleicht zum Rab-mag, dem Vorsteher der Mager. Im Buch Daniel bekennen mächtige heidnische Könige schließlich den Herrn als Gott: Nebukadnezar II. tut dies nach Genesung von einer Erkrankung in Dan 4,31ff., Darius nach der Errettung Daniels aus der Löwengrube in Dan 6,26ff..

Nebukadnezar und Belschazar werden als Verehrer vieler Götter gezeigt, Darius schon nicht mehr. Daniel landet in der Löwengrube nicht, weil er den falschen Gott verehrt, sondern überhaupt einen. Im Buch Jesaja wiederum wird der persische König Kyros sogar als Werkzeug Gottes gerühmt, wohl wegen der Rückführung der Juden aus dem Babylonischen Exil nach Israel. Dabei spielt auch der Glaube der antiken Perser eine Rolle, der in der Literatur oft als monotheistisch qualifiziert wird, und auch inhaltliche Parallelen zum jüdischen Glauben aufweist.

Wenn daher die Mager aus dem Morgenland kommen, so schwingt für den in der Schrift versierten Leser die Verbindung mit den großen Reichen des Zweistromlands und Persiens mit, deren König einmal sogar selbst Gesalbter Gottes war, „τῷ χριστῷ μου“, wie es in der Septuaginta-Fassung von Jes 45,1 heißt. Wenn es irgendwo Heiden gibt, deren Glauben ihnen zumindest eine Ahnung davon gibt, worum es beim Geschehen in Bethlehem geht, dann sind diese schon aus biblischer Tradition heraus unter den Persern zu vermuten, die wiederum selbst engen Kontakt mit dort lebenden jüdischen Gemeinden hatten, und daher um die Lehre vom König der Juden, wie er etwa im 5. Kapitel des Buches Micha prophezeit wird, wissen könnten. Es werden ja auch im Neuen Testament immer wieder Nichtjuden genannt, die trotzdem versuchen, der jüdischen Lehre zu folgen.

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