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SPÖ versenkt Ächtung der Sterbehilfe


Wer immer gehofft hat, dass als eine Leistung der neuen Regierung wenigstens die Ächtung des Tötens kranker Menschen ihren Weg in unsere Verfassung finden würde, hat sich gründlich getäuscht. Offenbar war die SPÖ von allem Anfang dagegen, ließ der ÖVP aber vor Abschluss der Verhandlungen die gesichtswahrende Option des „Projekts“, das aber bereits am 7. Jänner vom SPÖ-Justizsprecher versenkt wird.

Denn Hannes Jarolim spricht sich im Ö1-Morgenjournal sogar für eine Lockerung des Verbots der euphemistisch „Sterbehilfe“ genannten Praxis und operiert mit dem beliebten Kampfbegriff des „Leidens in Unwürde“. Das ist als Argument Mumpitz. Die „Würde“ hat wohl als schwammigen Begriff die frühere „Ehre“ ersetzt, um jede Handlung und ihr Gegenteil zu begründen. Es ist kein Problem, genauso vom „Getötetwerden in Unwürde“ und dem Gegenpart des würdevollen Annehmens des eigenen, natürlichen Sterbens zu sprechen, und tatsächlich gibt es natürlich auch solche Ansichten.

Was gerne euphemistisch „Sterbehilfe“ genannt wird, ist ja in Wahrheit nichts anderes als die Wegrationalisierung störender, nicht-funktionierender Menschen, die endgültige Verdrängung des Sterbens aus der Öffentlichkeit. Es sind ja dort, wo Tötung auf Verlangen erlaubt ist, üblicherweise die Gesunden, die es nicht mitansehen können (wollen), wie jemand im Sterben liegt, und die viel öfter die Sterbenden zur Euthanasie — wieder so ein Euphemismus — drängen, als es diese selbst tun, oder sogar für diese die Entscheidung treffen.

Es ist aber angesichts der modernen Neurobiologie und Psychologie ohnehin Chuzpe, von einer freien Entscheidung eines Menschen in Extremsituationen zu sprechen, sowohl hinsichtlich der Angehörigen als auch des zu Tötenden selbst. Was es mit Würde zu tun, einem Menschen diese unmenschliche Entscheidung zusätzlich aufzubürden, bleibt das Geheimnis der Euthanasie-Lobby.

Übrigens ist es keineswegs eine zwingende sozialdemokratische Position, als Sterbehilfe-Proponent aufzutreten. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker Franz Müntefering hat zum Thema einen luziden Essay in der „Süddeutschen“ veröffentlicht, der es auf den Punkt bringt: „Mitleiden mit denen, die verzweifeln und zu oft nicht mehr aufzuhalten sind in ihrer Sehnsucht aufs Totsein – das ist wichtig. Genau deshalb ist es auch so wichtig, die größte Krankheit dieser zeitreichen Gesellschaft ernst zu nehmen und die triste, trostlose Einsamkeit allzu vieler zu beenden. Für sie Liebe zum Leben erfahrbar zu machen und ihnen Mut zum Leben zu vermitteln bis zum Ende.“

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