Der verwirrende Weihnachtsfestkreis


Der Sonntag der Taufe des Herrn beschließt die Weihnachtszeit und eröffnet den Jahreskreis. Von 1920 bis zur Liturgiereform 1969 wurde an diesem Sonntag allerdings das Fest der hl. Familie mit dem Evangelium des 12jährigen Jesus im Tempel gefeiert. Man könnte sagen: Eine feine Ironie — ausgerechnet mit dem Evangelium, in dem Jesu Eltern ihn verzweifelt suchen.

Nun allerdings kann man dieses Evangelium mitunter kurz nach Weihnachten hören, wenn nämlich das Fest der hl. Familie im Lesejahr C gefeiert wird. Um vielleicht wenig später an seine Beschneidung am Oktavtag von Weihnachten, dem Hochfest der Gottesmutter, erinnert zu werden. Auch die Perikopen in den Lesejahren A und B springen in der Zeit hin und her.

Deshalb hält Msgr. Charles Pope die gegenwärtige Festfolge im Weihnachtskreis für verbesserungswürdig. Er ist auch unglücklich darüber, dass die Beschneidung und Namensgebung Jesu am Oktavtag zugunsten des Festes der Gottesgebärerin so in den Hintergrund getreten ist. Seine Lösung:

  • Das Fest der hl. Familie würde auf den Sonntag nach Epiphanie verschoben.
  • Der freigewordene Sonntag in der Weihnachtsoktav wird mit dem Hochfest der Gottesmutter belegt.
  • Das Fest der unschuldigen Kinder würde er von der Zeitfolge her aus der Weihnachtsoktav hinausverlegen.

Freilich ist das Problem, das der weihnachtliche Festkalender manchmal schwer nachvollziehbare Zeitsprünge vollzieht, nicht neu. In einem Messbuch aus dem Jahr 1770 findet sich etwa folgende Abfolge:

Fest Evangelium
Vigil des Christtags Mt 1,18-22
Christtag, in der Nacht Lk 2,1-14
Christtag, am Morgen Lk 2,15-19
Christtag, 3. Messe Joh 1,1-13
26.12.: Stephanus Mt 23,34-39
27.12.: Johannes der Evangelist Joh 21,19-24
28.12.: Fest der unschuldigen Kinder Mt 2,13-18
29.12.: Thomas Becket Joh 10,14
Sonntag in der Weihnachtsoktav Lk 2,33-40 (Hannah im Tempel)
31.12.: Silvester Lk 12,35-40 (Erwartung Christi)
1. Jänner: Weihnachtoktav Lk 2,21 (Beschneidung)
2. Jänner: Stephanusoktav Mt 23,34-39
3. Jänner: Johannisoktav Joh 21,19-24
4. Jänner: Oktav der unschuldigen Kinder Mt 2,13-18
5. Jänner: Vigil der Epiphanie Mt 2,19-23 (Rückkehr aus Ägypten)
6. Jänner: Epiphanie Mt 2,1-12 (Weisen aus dem Morgenland)
Sonntag in der Epiphanieoktav Lk 2,42-42 (der 12jährige Jesus im Tempel)
13. Jänner: Epiphanieoktav Joh 2,29-34 (Taufe Jesu)
2. Sonntag nach Epiphanie Joh 2,1-12 (Hochzeit zu Kana)
auch: Namen-Jesu-Fest Lk 2,21 (Beschneidung)

Durch die überlappenden Oktaven, die zum Teil beträchtliche Gebetsstaffeln ausgelöst haben, wurde der Festkreis schon etwas unübersichtlich. Ein allfälliger Sonntag zwischen Neujahr und Epiphanie wurde durch die drei Oktaven und den Vorabend von Epiphanie laut Rubriken verdrängt. Es ist übrigens originell, wenn zu Epiphanie die hl. Familie in den Vigilien zuerst aus Ägypten zurückkehrt, um dann am Tag die Weisen aus dem Morgenland zu empfangen.

Auch für diesen Kalender gab es aber viele — nachvollziehbare — Gründe. Es ist eben gar nicht so einfach, den Festkreis so zu gestalten, dass er einerseits ein sinnvolles Ganzes ergibt, andererseits auf gewachsene Traditionen, pastorale Gegebenheiten und zeitliche Beschränkung passt.

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