Antarktische Eisberge haben einen Hang zur Ironie


Eine Expedition, die auf der Suche nach der Spuren der globalen Erwärmung in dichtem Eis festsitzt: Das ist einfach ein zu ironisch. Ein Narrenschiff, wie der Australian schreibt, deren Missgeschick durch ein tägliches Guardian-Blog dokumentiert wurde. Nun sind die Expeditionsteilnehmer aber alle sicher auf dem australischen Eisbrecher „Aurora australis“, und ihr Expeditionsschiff, die „Akademik Schokalskij“, konnte ebenfalls bereits aus dem Eis befreien, in dem es fast zwei Wochen eingeschlossen war.

Das Team rund um den australischen Universitätsprofessor Chris Turney wollte mit der „Australasian Antarctic Expedition“ den Spuren des Pioniers Douglas Mawson folgen, der vor 100 Jahren die Commonwealth-Bucht entdeckt hat, und zeigen, dass seit damals der Eisbestand dramatisch abgenommen habe. So heißt es auf ihrer Website:

The effects of this marked shift in westerly winds are already being seen today, triggering warm and salty water to be drawn up from the deep ocean, melting large sections of the Antarctic ice sheet with unknown consequences for future sea level rise while the ability of the Antarctic Circumpolar Current to soak up heat and carbon from the atmosphere remains deeply uncertain.

Doch tatsächlich fanden sie wesentlich mehr Eis vor als Mawson vor 100 Jahren. Die Absenz wie die Anwesenheit des Eises wäre so oder so kein Beweis gewesen, in welche Richtung sich das Klima momentan verändert, sondern höchstens ein Indiz. Man kann sich aber ausrechnen, was bei einer eisfreien Bucht von Turney und Konsorten behauptet worden wäre.

Tatsächlich behauptet Turney jetzt in Interviews, dass die dichte Eisdecke geradezu ein Beweis für die anthropogene Klimaerwärmung sei. Wie Robert Trancinski ätzt: „Freezing Is The New Warming“. Solche Ausflüchte erweisen der Klimaforschung einen Bärendienst: Denn wenn die erwartete geschmolzene Eisdecke genauso wie eine dichte Eisdecke für Turney Zeichen der Klimaerwärmung sind — was wäre dann kein Zeichen der Klimaerwärmung? Wie schaut die falsifizierbare Hypothese aus?

Übrigens nimmt das Eis rund um die Antarktis in den letzten Jahren tendenziell eher zu. Warum die Expeditionsteilnehmer auf eisfreie Buchten gehofft haben, ist nicht ganz klar. Vielleicht war der Glaube stark, aber doch nicht stark genug, um Eisberge zu versetzen.

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