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Irland: Austerität ist hier das falsche Thema


Irland gilt als der Musterschüler unter den Krisenländern der Eurozone. Es konnte nach großen Sparanstrengungen den Rettungsschirm als erstes Land verlassen. Anders als etwa in Portugal oder Griechenland gab es über die prinzipielle Notwendigkeit der Sparpolitik auch einen weitgehenden nationalen Konsens.

Jetzt wird mancherort angeführt, die irische Erfahrung beweise, dass der Rettungsschirm und eine konsequente Sparpolitik funktioniere. Andernorts wird mit Verve das Gegenteil behauptet. Angesichts der irischen Zahlen sind beide Interpretationen möglich.

Nur ein paar Daten von Eurostat: Der öffentliche Schuldenstand Irlands ist von 24,9% des BIPs im Jahr 2007 in drei Jahren auf 104,1% des BIPs gestiegen und hat 2012 bereits 117,4% betragen. Das Defizit soll heuer aber bereits Maastricht-konform sein. Die Zahl der Beschäftigten ist von 1,77 Millionen im 1. Quartal 2008 auf 1,51 Mio. im 1. Quartal 2013 gesunken. Im gleichen Teitraum ist der durchschnittliche Bruttowochenlohn von 704 auf 676 Euro zurückgegangen. Typisches Zeichen einer „realen Abwertung“. Der Anteil der Arbeitslosen 15-24jährigen an ihrer Alterskohorte hat sich auf 12,3% mehr als verdoppelt. Der private Schuldenstand ist dank schrumpfender Wirtschaftsleistung und dem Versuch, Einkommensausfälle zu glätten, von 218,6% im Jahr 2007 auf über 300% des BIP gestiegen.

US-Ökonom Tyler Cowen hält die jetzige Debatte über den Erfolg der Austerität aber für einen schweren logischen Fehler: Denn das auslösende Moment der irischen Krise sei ja die unbegrenzte Garantie von Schulden irischer Banken durch den Staat gewesen. Sobald sich der Staat zur Übernahme dieser Verpflichtungen bereiterklärt hat, war eine einschneidende Sparpolitik die einzig logische Folge. Selbst die Frage, wie rasch man einsparen sollte, beantwortete sich angesichts steigender Refinanzierungskosten des Staates dann von selbst.

Cowen hat meiner Meinung nach völlig recht: Anders als bei über Jahre wachsenden Staatsschulden war es hier im wesentlichen eine einzige politische Entscheidung, die Irland tief verschuldet hat und eine rigide Sparpolitik notwendig gemacht hat. Daher ist eine Debatte, ob die irische Sparpolitik erfolgreich war oder nicht, verfehlt, die nicht das singuläre Ereignis berücksichtigt, ohne die es diese Politik nicht gegeben hätte. Sie war insofern erfolgreich, als Irland es geschafft hat, die gewaltige Verpflichtung, die es eingegangen ist, irgendwie zu stemmen, und damit ihr Hauptziel auch erreicht. Über Sinn und Unsinn fiskalpolitischer Vorsicht und einer Austeritätspolitik sagt es aber wenig.

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