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Soll man die Körperschaftsteuer abschaffen?


In Österreich wird außerhalb der Wirtschaftskreise eher moniert, dass die Unternehmenssteuern zu niedrig sein. Gruppenbesteuerung, die Befreiung von Beteiligungserträgen, der Körperschaftsteuersatz von 25% usw. usf. sind ständige Anlässe für Kritik, vornehmlich aus der Arbeiterkammer, Gewerkschaft und der SPÖ.

Doch ist es vielleich umgekehrt? Sind Körperschaftsteuern vielleicht sogar fiskalisch eine schlechte Idee? In diese Richtung argumentiert Lawrence Kotlikoff. Ein Grund dafür ist die Steuerinzidenz, wer also eine Steuer wirklich trägt. Die Körperschaftsteuer wird nicht bloß durch niedrigere Gewinnausschüttungen vom Eigentümer getragen, sondern etwa auch durch niedrigere Gehälter und höhere Preise überwälzt.

Kotlikoffs positive Ergebnisse zur Abschaffung der US-Körperschaftsteuer kommen auch daher, dass er Verlagerungen von Unternehmen in die USA einkalkuliert. Eine andere Variante wäre, die ausgeschütteten Gewinne zumindest ähnlich Erwerbseinkommen zu besteuern, verbunden mit strikten steuerlichen Folgen für verdeckte Ausschüttungen, z.B. wenn ein Eigentümer eine Firmenwohnung verwenden darf. Die kombinierte Steuer auf ausgeschüttete Gewinne beträgt in Österreich momentan 43,75 Prozent (25% Körperschaftsteuer, auf Ausschüttungen weitere 25% Kapitalertragsteuer), ist also der Besteuerung auf Erwerbseinkommen nahe. In Abwandlung von Kotlikoffs Modell würden dann wohl diese 43,75 Prozent direkt von den Dividenden einbehalten, während nicht ausgeschüttete Gewinne steuerfrei blieben.

Diese deutliche Bevorzugung reinvestierter Gewinne würde freilich zu stärkeren Investitionen und damit einem Wachstum des Kapitalstocks führen, eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Gerade in der Übergangszeit, bevor die positiven Effekte auf das langfristige Wirtschafts- und Lohnwachstum eintreten, wäre aber mit einem Einnahmenausfall zu rechnen, den sich momentan wohl kein Land leisten will. Auch Missbrauch von Unternehmen als Hülle für aufgestaute Gewinne wäre zu befürchten. Also keine Sorge: Die Körperschaftsteuer wird es noch länger geben.

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