Erste Ergebnisse des englischen Church Growth Research Programme präsentiert


Die Anglikanische Kirche in England hat eine umfangreiche Studie über Wachstumsfaktoren ihrer Gemeinschaft in England in Auftrag gegeben. 18% ihrer Pfarren wurden als wachsend gemeldet, 55% als stabil, 27% als schrumpfend. Doch selbst die Bezeichnung „stabil“ verdeckt das eklatante Nachwuchsproblem, ist doch die Zahl der Taufen von knapp 350.000 im Jahr 1970 auf knapp 150.000 gefallen, davon knapp 80.000 Säuglingstaufen. (Zum Vergleich: Die katholische Minderheit, die in England ebenfalls schon eindeutig bessere Zeiten gesehen hat, weist etwa 40.000 Säuglingstaufen auf.) Daher war es naheliegend, die Erfolgsfaktoren der wachsenden Gemeinden herauszufinden.

Die daraus gewonnenen Unterlagen auf der Website des Projekts, churchgrowthresearch.org.uk, sind sehr interessant; vieles ist auch für Angehörige anderer Konfessionen anwendbar. Eine Schlüsselerkenntis ist übrigens, dass Menschen, die mit etwa 25 von einer Konfession überzeugt sind, in großer Mehrheit ihr auch ein Leben lang verbunden bleiben. Die Jahre zwischen Pubertät und etwa 25 sind also die Schlüsseljahre, um eine Generation an sich zu binden.

Hellhörig wurde ich aber bei einem Kommentar von Guardianista Andrew Brown, der ebenfalls auch für Österreich anwendbar ist:

„Equally, the only certain way to make a church fail is to follow the policy of almost all the rural parts of the C of E in the past 20 years of decline, and give one vicar more and more parishes to look after. It is absolutely clear from these figures, as well as from anecdotal evidence, that this will ensure disaster.

But suppose the churches did take seriously their need to recruit young people? Where would they find them? The obvious answer is in church schools, as well as among the grandchildren of the present congregations. If that happens, it would be good to remember that here, too, what matters are small pragmatic things and not high principles.“

Mir war immer rätselhaft, warum der städtische Bereich seelsorgerisch so intensiv versorgt wird, während gerade der ländliche Raum durch riesige Seelsorgeräume definiert ist. In Wien, so hört man, gibt es momentan noch Pfarren, in denen zwei Priester eine Gemeinde betreuen, die so klein ist, dass übers ganze Wochenende nicht mehr als zwei Messen gelesen werden. Dafür gibt es vielleicht sogar noch einen zusätzlichen Pastoralassistenten. Am Land hat man dagegen oft auf eine reine Verwaltungskirche gesetzt, in der manche Priester fünf Pfarren betreuen sollen — ohne Unterstützung, ohne Übertragung bestimmter seelsorglicher Aufgaben auf lokale Helfer, auch ohne den Mut, die Pfarre dann lieber einfach zuzusperren, wenn sich solche lokalen Helfer nicht finden lassen. Wie nicht nur die englische Erfahrung zeigt: Dieses Pfarrverwalten bringt nichts.

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2 Gedanken zu “Erste Ergebnisse des englischen Church Growth Research Programme präsentiert

  1. „Die Jahre zwischen Pubertät und etwa 25 sind also die Schlüsseljahre, um eine Generation an sich zu binden.“ Da ist sicher was dran. Und da gibt es in der Katholischen Kirche für Studierende die Hochschulpastoral, die mir persönlich sehr geholfen hat, als ich aus meiner Heimatpfarrei am Niederrhein nach Berlin zog. Aber sonst setzt die übliche Pastoral erst wieder ein bei den jungen Familien, wenn die Kinder in den Kindergarten kommen. Also: Ein Plädoyer für eine vitale „Junge-Erwachsene“-Pastoral als Form der Katergorialseelsorge. LG, JoBo

    • Danke für den Kommentar, noch dazu von einem meiner Lieblingsblogger. Leider haben wir genau in dem angesprochenen Bereich große Defizite; selbst dort, wo es intensive Jugendarbeit gibt, ist sie nicht unbedingt spirituell fruchtbar. In meiner Pfarre überlegen wir schon lange, wie man das verbessern könnte, haben aber auch noch keine Lösung gefunden.

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