Startseite » Glaube & Geist » Ein paar Sätze eines älteren Herrn zu Social Media

Ein paar Sätze eines älteren Herrn zu Social Media


Die Geschwindigkeit der Information übersteigt unsere Reflexions- und Urteilsfähigkeit und gestattet es nicht, dass wir uns selbst in abgewogener und rechter Weise ausdrücken. Die Vielfalt der vorgebrachten Meinungen kann als Reichtum wahrgenommen werden; aber es ist auch möglich, sich in einen Raum von Informationen zu verschließen, die nur unseren Erwartungen und Vorstellungen oder auch bestimmten politischen oder wirtschaftlichen Interessen entsprechen.

Wer sich regelmäßig in Twitter, Facebook, WhatsApp etc. bewegt, wird beides schon beobachtet oder sogar selbst getan haben: Blitzschnelle Antworten auf neue Info-Happen, bei denen sich die Happen bald als ungenießbar herausstellen, und die Antworten am besten nie gegeben worden wären. Und der Gefahr des digitalen Hallraums, in dem man nur noch seinesgleichen hört, ist im Web wohl jeder ausgesetzt.

Damit sollen die Möglichkeiten des Webs nicht kleingeredet werden, sondern die Gefahren aufgezeigt, Lösungen gesucht werden.

Ein Beispiel: Wir müssen einen gewissen Sinn für Langsamkeit und Ruhe wiedergewinnen. Das verlangt die Zeit und die Fähigkeit, Stille zu schaffen, um zuzuhören. Wir brauchen auch Geduld, wenn wir denjenigen verstehen wollen, der anders ist als wir: Der Mensch bringt sich selbst vollständig zum Ausdruck nicht dann, wenn er einfach toleriert wird, sondern wenn er weiß, dass er wirklich angenommen ist.

Wieviele Postings bestehen darin, jemand anderem in Punkten zu widersprechen, die derjenige gar nicht gemacht hat; überzeichnete Positionen zu attackieren, um den anderen als Extremisten zu diffamieren und als Sieger der Debatte dazustehen, ohne auch nur im mindesten verstanden zu haben, welche Sicht der Welt der andere überhaupt hat. Stattdessen auf den anderen zuzugehen ist kein Aufgeben der eigenen Sichtweise, sondern ihre Öffnung. So wird das Gespräch menschlich.

Das digitale Netz kann ein an Menschlichkeit reicher Ort sein, nicht ein Netz aus Leitungen, sondern aus Menschen. Die Neutralität der Medien ist nur scheinbar: Nur wer in die Kommunikation sich selbst einbringt, kann einen Orientierungspunkt darstellen. Das persönliche „Sich-einbringen“ ist die Wurzel der Vertrauenswürdigkeit eines Kommunikators.

Jetzt muss ich langsam verraten, woher die Zitate stammen: Aus der Botschaft Papst Franziskus’ zum 48. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, die am 24. Jänner, des Tages des hl. Franz von Sales, veröffentlicht worden ist. Die Zitate wären etwas spannender, hätte ich gleich offensichtlich religiös konnotierte Stellen ausgewählt. Aber wo wäre da der (ohnehin minimale) Überraschungseffekt?

Wer den Text liest, hat diese zehn Minuten gut investiert.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s