Zum Tode Dr. Kurt Krenns


Der Tod von Altbischof Dr. Kurt Krenn hat in manchen Menschen ihre schlimmsten Seiten hervorgebracht. Alte Rechnungen werden noch einmal beglichen, der Verstorbene in die eine oder andere Richtung instrumentalisiert. Da tut es gut, den wohlgemessenen Nachruf zu lesen, den Krenns Diözese St. Pölten veröffentlicht hat. Dem alten Grundsatz „De mortuis nil nisi bene“ folgend: Über den Verstorbenen in wohlwollender Interpretation sprechend, doch auch die Schattenseiten seines Lebens nicht ausblendend. Denn das bekannte Zitat besagt ja nicht, dass man über Tote nur Gutes sagen darf, sondern, dass man nur in guter, wohlwollender Weise über sie reden soll: Schließlich können Sie sich nicht mehr verteidigen.

Freilich war seine Zeit als Weihbischof in Wien (1987-1991) und Bischof von St. Pölten (1991-2004) eine turbulente, der inneren und äußeren Entwicklung der Kirche Österreichs nicht unbedingt zuträgliche. Streitbar zu sein, war nach den kuscheligen Jahrzehnten der Angepasstheit zwar eine grundsätzlich gute Eigenschaft. Anscheinend war seine Sprache und die seiner Gesprächspartner aber oft inkompatibel. Gerade in der Kirche gilt wohl, was der Apostel Paulus schreibt: „Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!“ Vielleicht hat er es so gemeint, jedenfalls wurde er nicht so verstanden.

Der Lehrer der Theologie war auch als persönlicher Seelsorger durchaus geschätzt. Er war aber kein Geschäftsführer seiner Diözese, wie es nun aber als Bischof notwendig ist, und auch kein Menschenführer. Er ließ mancherorts freie Hand, wo genaues Hinsehen wohl notwendig gewesen wäre. Es sah mancherorts sehr genau hin, wo vielleicht mehr Geduld fruchtbringender gewesen wäre. Die Schuld dafür trifft freilich als culpa in eligendo auch diejenigen, die ihn für dieses Amt vorgeschlagen haben.

Ich darf kurz Krenns Nachfolger als Bischof, Klaus Küng, zitieren, der u.a. im verlinkten Nachruf sagt: „Im Rückblick auf jedes Leben gibt es Licht und Schatten, und manchmal kommt es bei einem umstrittenen Menschen auf den eigenen Standpunkt an zu entscheiden, wo das Licht endet und der Schatten beginnt. Bischof Kurt mag Schwächen gehabt haben; seine Auftritte und Äußerungen haben sicher manche Menschen gereizt, ja geärgert und gekränkt. Vergessen wir dabei aber auch nicht, dass die Sorge um die Kirche und ihre Sendung sein Leben bestimmt haben. In dieser Hinsicht kann er für jeden und jede von uns ein Vorbild sein.“ Diese Sorge kann man ihm bei aller berechtigter Kritik nicht absprechen.

Am 8. Februar findet um 11:00 Uhr im St. Pöltner Dom das Requiem für den Verstorbenen statt.

Einige Freunde Krenns haben im Sommer letzten Jahres das Buch „Capax Dei“ herausgebracht, das Texte des Theologen Krenn versammelt. Es gibt vielleicht auch ein Ahnung davon, was hätte sein können, wenn Krenn eben nicht Bischof geworden wäre, sondern weiter als Theologe gewirkt hätte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s